Waldohreule

Waldohreule

Vor ein paar Wochen meldete sich ein guter alter Freund bei mir, nennen wir ihn mal Ralf. Ob ich Lust hätte eine Eule zu fotografieren. Falls ja, solle ich zu ihm kommen. Eine Minute nach dem Telefonat saß ich im Auto.

Ralf erzählte mir, dass in der Tanne in seinem Garten derzeit eine Waldohreule wohnt. Das sollte meine erste Eule werden, die ich digitalisieren würde, ähm – Entschuldigung – fotografieren würde.

mieses Licht

Ralf empfing mich, wie immer, recht freundlich. Das Übliche „wie geht’s?“, „was haste die letzte Zeit so gemacht?“ schenkten wir uns. Es ging nach dem Händeschütteln direkt raus in den Garten. Mit dabei hatte ich, wie immer in der letzten Zeit, die 7D Mk2 mit dem montierten 100-400er. Der Himmel war mal wieder grau in grau und es hatte kaum verwertbares Licht. ISO 1000 war angesagt.

Durch ein Loch im Nadelkleid der Tanne konnte ich die Umrisse der Eule erkennen – jedenfalls mit viel Fantasie. Das Tageslicht reichte bei weitem nicht aus um durch das Loch die Eule zu beleuchten – sie saß komplett im Schatten. Ich versuchte es dennoch und kam bei 400mm und Blende 5,6 nicht unter 1/50 Sekunde. Trotz meiner Befürchtungen reichte das bisschen Licht allerdings für den Autofokus aus. Er stellte mit gewohnter Geschwindigkeit scharf. Meine Begeisterung über die Kamera- / Objektivkombination ist unter diesen Bedingungen nachvollziehbar.

verdreht

Ich schoss ein paar Fotos und begutachtete diese im Display der Kamera. Erstaunlich! Bei der langen Belichtungszeit waren von den 10 Fotos tatsächlich 5 scharf. Klasse. Leider hatte die Eule ihren Kopf nach hinten verdreht, so dass man zwar eine Eule erkennen konnte, aber ohne Augen, naja, nicht so schön.

Ralf verschwand für einen kurzen Augenblick und kam mit einer Taschenlampe wieder zurück. Er wollte mit dem Gerät in das Loch leuchten, in der Hoffnung, dass die Befiederte dann eventuell ihren Kopf in Richtung der Lichtquelle drehen würde. Ich hatte arge Bedenken. Wollte ich das Tier doch nicht über Gebühr stören oder gar verscheuchen. Ralf meinte, ich solle mir keine Sorgen machen. Er kenne seinen Gast schon seit Jahren und sie hätten eine gute Beziehung zueinander.

Waldohreule

Waldohreule

Es machte „klick“ und die Eule wurde erleuchtet. Sie drehte tatsächlich ihren Kopf und schaute total entspannt zu uns herab. Die Belichtungszeit halbierte sich auf 1/100 Sekunde. Ich fokussierte und schoss. Leider kam genau zu dem Zeitpunkt leichter Wind auf und die Zweige der Tanne bewegten sich immer mal wieder ins Bild.

Waldohreule

Waldohreule

Fein dass Digitalfotografie keine Entwicklungskosten nach sich zieht. So kamen in kurzer Zeit rund 100 Fotos zusammen. Die Waldohreule zeigte sich während der vielleicht 10 Minuten  völlig locker und schaute mehr als entspannt auf die beiden Spinner am unteren Ende des Baumes. Ralf hatte recht behalten. Meine Sorgen einer Störung der Eule waren unbegründet.

So bin ich nun also zu meiner ersten auf Bild festgehaltenen Waldohreule gekommen. In der Tat verbrachten Ralf und ich den Rest des Nachmittags mit dem, was wir bei meiner Ankunft nicht getan hatten: Wie geht’s? Was hast Du so in der letzten Zeit gemacht? Wusstest Du schon…?

Das Wichtige kommt halt immer zuerst 🙂

und sonst?

Ich war natürlich in der letzten Zeit nicht gänzlich inaktiv was das Fotografieren angeht. Nur ein wenig schreibfaul. Nahezu jede Woche war ich, ausgerüstet mit der Kamera, in der Natur unterwegs und habe die ersten Frühlingsaufnahmen gemacht. Leider waren zeitlich intensive Ausflüge aufgrund des frühen Sonnenuntergangs nicht möglich. In der Regel blieb mir nach der Arbeit nur etwas mehr als eine Stunde Zeit um auf fotografische Wanderschaft zu gehen.

Spatz

Spatz

Ok, der Spatz ist jetzt kein typischer Frühlingsbote, aber wie er da so im Sonnenlicht sitzt… Klasse, oder?! Leider ist der Hintergrund mit den vielen Zweigen sehr unruhig, aber man kann sich in der Natur eben die Kulisse nicht aussuchen.

Rotkehlchen

Rotkehlchen

Auch das Rotkehlchen hat sich im besten Sonnenlicht präsentiert und leuchtet so herrlich orange. Dieses Foto ist auf eine Distanz von ca. 15 Metern entstanden. Ihr seht einen Ausschnitt aus dem original Foto.

Jetzt, wo wieder auf die Sommerzeit umgestellt wurde, habe ich Abends mehr Zeit. Hinzu kommt, dass ja auch die Tage endlich wieder spürbar länger werden. Demnächst gibt es also wieder mehr von mir zu lesen. Ich freue mich schon auf die ersten Makros und die Zecken.

poddi