Libelle

überall Frösche

Da war er wieder, der Drang mich ins Grüne zu begeben und den kleinen und winzigen dieser Welt auf die Pelle zu rücken. Zeit für Makros.

Nun, nicht ganz. Die Zeit war eigentlich schon vorbei. Ich trödelte in der Früh vor mich hin und als er kam, der Drang, da war es bereits 10:00 Uhr. Eigentlich zu spät für Makros, denn in der Regel bin ich bereits mit dem ersten Licht unterwegs wenn es mich nach Makros gelüstet.

Ach egal, Hauptsache raus! Ab zum Teich. Das Wetter war bedeckt und es gab wieder dieses gleichmäßige Überalllicht. Trotzdem suchte ich mir eine schattige Stelle und hockte mich mit samt des Stativs und der 70D auf ein Stück Wiese. Ich fing an mich zu konzentrieren, atmete ruhig und genoß die Ruhe. Meditation?

Froschinvasion

Nach kurzer Zeit bemerkte ich überall um mich herum winzige Froschbabys. Sie waren einfach überall. Zwischen den Grashalmen, auf den Gänseblümchen, auf meinem Oberschenkel. Einfach überall. Geil. Ich saß mitten in einer Froschinvasion.

Frosch Baby

Frosch Baby

Ich richtete das 100er Makro auf ein paar Gänseblümchen direkt vor mir und hoffe, dass sich eventuell ein Fröschli darauf niederlassen würde. Das passierte natürlich nicht, ich musste ein wenig nachhelfen. Ich hielt einen kleinen Zweig vor die Nase von einem der kleinen Hüpfer, die es sich auf meinem Schuh bequem gemacht hatten. Erfolg! Er krabbelte auf den Zweig.

Ich gab ihm einen kleinen Schubs mit meinem Zeigefinger und er krabbelte auf das Blümchen. Klasse! Ein Model-Fröschli mit Ambitionen. Ich hatte die größte Blende (f2,8) eingestellt und schoss ein paar Fotos. Die Augen waren scharf, die Nasenspitze bereits wieder unscharf. Die kleinen Hüpfer waren ca. 10mm klein. Das Foto -siehe oben- wurde genau wie ich es mir vorgestellt hatte.

Frosch Baby

Frosch Baby

Model-Frosch gab mir allerdings nur für 2 Fotos Zeit, danach hüpfte er wieder ins Gras. Ich wollte aber noch ein paar Fotos  mit geschlossenerer Blende. Also wieder die Aktion mit dem Zweig und wieder klappte es. Sehr kooperativ die kleinen Kerle und Kerlinen. Allerdings gab’s diesmal nur ein Foto.

Ich dachte darüber nach es mal mit einer anderen Blume zu versuchen. Vielleicht etwas gelbes? Ich schaute mich um, fand aber nichts. Stattdessen sah ich eine lilafarbene Blume. Und zum dritten mal klappte der Froschtransport via Zweig.

Frosch Baby

Frosch Baby

Der Kollege wirkt auf dem Foto recht genervt und recht hatte er! Ich lies die Fröschlis in Ruhe. Mir kam in den Sinn, dass ich eigentlich keine Fotos stelle, sondern die Tiere so ablichte wie ich sie finde. Man möge es mir nachsehen. Trotzdem sei hier gesagt, dass ich selbstverständlich keines der Tiere verletzt habe!

Gucklibelle

Ich verzog mich von der Wiese und setzte mich ans Ufer. Vielleicht bekomme ich ja endlich das Foto von einer Libelle, die auf einem Grashalm sitzt und nur ihre Augen schauen rechts und links hervor.

Libelle

Libelle – guck

Klasse oder?! Ich konnt’s nicht fassen. Es dauerte nicht lange und ich bekam was ich wollte. Zwar nicht ganz in der Qualität die mir vorschwebte, aber hey, dieser Sommer hat noch viele Tage und das Leben noch hoffentlich viele Sommer.

Libelle

Libelle – seitlich

Die Fotos sind übrigens alle vom Stativ aus entstanden. Auf meine übliche Art und Weise: Display ausgeklappt, 10-fach Lupe aktiviert, Fokus manuell gesetzt und die Belichtung mit der tollen Belichtungsvorschau ebenfalls manuell eingestellt. Ich habe dabei auch immer den Stabilisator am Objektiv aktiviert.

Stabi an

„Nein, macht das nicht!“, werden jetzt einige schreien. Mach ich aber doch! Der Stabi hilft ungemein beim Fokussieren – das Bild wird sehr sehr viel ruhiger. Ohne Stabi wackelt das Bild mit aktivierter 10-fach Lupe während des Fokussierens extrem und man kann nur mit Glück die Schärfe korrekt setzen. Probiert’s mal aus.

Schwebfliege

Schwebfliege

Zurück zum Thema Stativ. Ich finde man hat mit dem Stativ eine deutlich höhere Quote an scharfen Fotos. Auch kann man den gewünschten Bildausschnitt genauer einstellen. Trotzdem ist es auch recht lästig. Es dauert halt bis man es in die richtige Position gebracht hat. Oft haben sich die Motive, wenn es denn mal richtig steht, bereits aus dem Staub gemacht.

Ich wollte noch ein paar Fotos ohne Stativ machen. Die völlig entspannte Schwebfliege kam mir da gerade recht. Im Schneidersitz hockend, beide Ellbogen auf die Oberschenkel gestützt saß ich vorm Schilf und schoss ein paar Fotos von dem Tier. Geht auch – man muss nur richtig sitzen und vor allem ruhig atmen. Der Schärfebereich beträgt nur wenige Zehntelmillimeter. Jeder Atemzug schiebt einen ein wenig vor und wieder zurück und damit das Objekt der Begierde aus dem Schärfebereich.

Beamen

Ich blieb im Schneidersitz und schaute mir das Schilf vor mir genauer an. Ich sah eine winzige Springspinne, vielleicht 6mm klein. Das wollte ich dann ebenfalls mit der gleichen Technik schaffen. Ohne Stativ.

Ich fokussierte das Mikrospinnchen manuell an und sah erst durchs Objektiv, dass sie fast neongrüne Pedipalpen hatte. Cool! Leider war die gute recht flott unterwegs und krabbelte und hüpfte von einem Halm zum nächsten und wieder zurück. Klasse war aber, dass ich beobachten konnte, dass sie sich stets selbst mit einem Faden sicherte. Genial auch, mit welcher Genauigkeit und vor allem mit welcher Geschwindigkeit sie von einem Halm zum nächsten sprang. Das hatte eher was von Beamen.

Springspinne, Pediküre

Springspinne, Pediküre

Irgendwann blieb sie dann mal für ein paar Sekunden sitzen und putze sich die Beine. Sie gab mir genau drei Fotos Zeit, danach beamte sie sich weg.

Ich warte immer noch auf ein Foto, bei dem ich einer Springspinne mal so nahe komme, das ich mich in ihren Augen spiegele. Denn Augen haben die, so groß wie Teller – wenn man das mal in Relation zur Größe des Tieres setzt. Klasse!

Für mich war die heutige Makrotour mal wieder ein reiner Genuss. Unglaublich was die Natur im kleinen großes zu bieten hat.

poddi