Nebellandschaft

Sardinien 12/2015 – 02 (alles so weiß hier)

Wann ist hier auf Sardinien im Winter Sonnenaufgang? Um 0730h! Und wann werde ich wach? Um 0515h! Ich glaube ich brauche Urlaub – habe noch zu viel Arbeit im Kopf.

Nachdem ich mir einen ganzen Pott Kaffee genehmigt habe – und ich rede hier von dem Zeug, welches in Deutschland auch Espresso genannt wird – bin ich gegen 0800h losgezogen. Es war schon einigermaßen hell und ich wollte mit der ersten Sonne am Fluß sein.

Vorher schraubte ich zu Hause noch das 300er an die 7D und das 100er Makro an die 70D. Das Stativ hatte ich bereits am Abend zuvor in den Kofferraum gepackt. Ich hatte wenig Hoffnung auf einen Eisvogel und wollte für den Fall ein paar Makros machen. Nach Möglichkeit irgendwelche Insekten – ich Depp!

die Suppe

Als ich mit dem Traktorpunto den Ort verlassen hatte und auf der Landstraße fuhr traute ich meinen Augen kaum. Nebel. Aber so richtig. Es war echt nix zu sehen. Mit vielleicht 20 km/h tastete ich mich voran. Immer auf der Hut vor entgegenkommenden Schafherden und Kamikaze-Sarden. Die fahren bei dem Wetter genau wie im Sommer. Auf der ca. 10 km langen Strecke wurde ich 2x überholt.

Gegen 0830h kam ich an der alten, römischen Brücke (Ponte Enas) an, schnallte mir den Rucksack auf den Rücken und ging hinunter zu Fluss. Alles war klatschnass, neblig und saukalt. Schätze es hatte um die 5°C. Na wenigstens ging kein Wind. Meine Sitzsteine, an die sich mein Hintern in den letzten drei Jahren so gewöhnt hatte, lagen noch immer an Ort und Stelle. Setzen wollte ich mich jedoch nicht, zu nass waren die Kollegen.

Ich war der Meinung, dass sich der Nebel in kurzer Zeit auflösen würde. Schliesslich stand die Sonne – hinter dem Nebel – bereits am Himmel. Als nach zwei Stunden des Stehens und Wartens immer noch alles weiß in weiß getüncht war, habe ich aufgegeben. Zwei Stunden in der Kälte stehen, durchtrieft von schwerer, feuchter Nebelluft – das reichte. Martin Pescatore lies sich erwartungsgemäß auch nicht blicken und auf Makros war mir die Lust vergangen.

Nebelkrähe

Ich packte alles zusammen, hängte mir den Apparat um den Hals und schoss ein paar Frustfotos, wie dieses einer Krähe auf der Stromleitung.

Nebelkrähe

Nebelkrähe

An den Fluß grenzt noch eine große Wiese. Der Fluß schlängelt sich an ihr entlang. Zwar wusste ich, dass von der Wiese aus kaum Zugang zum Wasser möglich war, aber vielleicht ist ja im Winter aufgrund der spärlicheren Vegetation doch was möglich. Ich muss einfach eine neue Eisvogel-Stelle finden.

Nebellandschaft

Nebellandschaft

Nach vielleicht 300 Metern brach ich das Vorhaben ab. Schuhe und Hose waren klitschnass. Der verdammte Tau zog in alle Ritzen und Poren (von Schuhen und Hose versteht sich). Na wenigstens ein Nebel-Landschaftsfoto habe ich noch gemacht.

Nebellamm

Nebellamm

Nun reichte es mir endgültig. Zurück zum Punto und ab nach Hause vor den Kamin! Auf der Rückfahrt habe ich aus dem Auto heraus noch ein paar Schafe fotografiert. Derzeit haben alle Herden Lämmer – entsprechend sehen hier zum Teil die häuslichen Speisekarten aus. Nun, ich fotografiere die Tiere lieber als dass ich sie esse.

Nebelschafe

Nebelschafe

Tja, in den kommenden Tagen soll das Wetter besser werden. Temperaturen von 17°C sind vorhergesagt. Was aber viel wichtiger ist: klarer Himmel, leichter Wind und somit geringere Nebelgefahr. Ich bin mal gespannt.

poddi