Teichralle

Sardinien 07/2016 – 003

Kein Martin Pescatore, kein Eisvogel, kein Alcedo atthis – aber genug andere Erlebnisse in 150 Minuten.

Gestern war ich gegen 06:30 Uhr an „meiner“ Eisvogelstelle. Bis zum Ende meines Ansitzens gegen ca. neun Uhr tat sich in Bezug auf Martin Pescatore nichts. Kein Vorbeiflug, kein Pfiff, geschweige denn eine Landung auf meinem Ansitzast. Eisvögel sind aber nicht die einzigen Lebewesen, die man hier zu sehen bekommt.

100-400

Zunächst möchte ich jedoch ein wenig zu meiner Ausrüstung schreiben, die ich am gestrigen Morgen mit zu der Stelle nahm. Die massive Investition in das neue 100-400 mm Mk II hat sich gelohnt – soviel sei vorweggenommen.

Teichralle

Teichralle (hier das Pink Panther Theme hinzudenken – Danke Susanne für die Inspiration)

An der 7D Mk II macht das Objektiv einen tollen Job und, ich hätte es nie gedacht, der Zoom war gestern unbezahlbar. Warum? Das erfahrt ihr gleich.

Ich saß vielleicht eine Stunde belanglos und wartend auf dem römischen Stein, als ich eine Schildkröte beobachten konnte, die auf einen Fels kletterte um sich in der Sonne, die gerade den Tümpel vor mir erleuchtete, zu wärmen. Leider konnte ich kein Foto machen, weil Schilfhalme die Szene verdeckten.

die Ralle

Ich beobachtete die Szene vielleicht ein paar Minuten und bemerkte plötzlich eine Bewegung im Wasser, vielleicht 2 Meter vor mir, direkt unter dem Ansitzast. Eine junge Teichralle stand auf einmal da und schaute mich an. Ich hatte meine Hände nicht an der Kamera und war mir sicher, dass sie sofort verschwinden würde, wenn ich mich jetzt bewegte.

Teichralle

Teichralle

Außerdem stand mein Objektiv auf 400 mm – viel zu viel. Das würde nur für ein Portrait reichen, niemals würde ich den Vogel ganz auf’s Bild bekommen.

Ich tat es dennoch und bewegte mich ganz vorsichtig in Richtung der Kamera, stellte auf 150 mm und schoss ein paar Fotos. Der Vogel war völlig entspannt und tat, was Teichrallen so tun: Sie stakste im Wasser umher und pickte sich irgendwelches Grünzeug heraus. Direkt vor mir und ich saß aus ihrer Sicht völlig frei. Cool! Gut, es war ein Jungvogel und von daher noch unerfahren. Mit einem Alttier hätte ich das nicht machen können.

Teichralle

Teichralle

Wie nah ich dem Tier, bzw. das Tier mir war, kann man auf dem Foto gut erkennen.

Dank des Zooms und der Geduld des Vogels konnte ich einiges ausprobieren. Unterschiedliche Brennweiten, verschiedene Blenden und Zeitkombinationen. Klasse. Das wäre mit dem 300er so natürlich nicht möglich gewesen. Außerdem hätte ich aufgrund der Nähe nur Portraits des Vogels machen können.

Gebirgsstelze

Und als ich so mit der Ralle beschäftigt war, landete auf dem gegenüberliegenden Ufer auch noch eine Gebirgsstelze. Ich hatte also folgende Tiere in einem Radius von vielleicht vier Metern versammelt: Eine Schildkröte, die Ralle und die Stelze. Die vielen Prachtlibellen, Wespenspinnen und anderen Krabbler lasse ich mal außen vor. Man, ich konnte mich kaum entscheiden.

Gebirgsstelze

Gebirgsstelze

Die Gebirgsstelze war mit Mückenfang beschäftigt und extrem „wibbelig“. Keine Sekunde hielt sie still. Bei ISO 200 und 1/200 Sekunde war kaum an scharfe Fotos zu denken. Die Sonne hatte das Ufer auf der anderen Seite noch nicht komplett erhellt – daher die recht langen Belichtungszeiten.

Gebirgsstelze

Gebirgsstelze

Jetzt sind das alles keine Hammerfotos geworden und doch sind sie ein Indiz dafür, was man hier alles geboten bekommt, wenn man sich drauf einlässt und sich ruhig verhält.

Heute mache ich mal eine Fotopause und werde dem Strand von Porto Alabe einen Besuch abstatten. Mein Glück mit Martin werde ich dann morgen früh nochmal versuchen.

poddi