Santu Antine

Sardinien 07/2015 – 05

Sechs Uhr ist in diesem Urlaub meine Zeit – so auch heute. Es stand mal wieder eine kleine Tour mit dem Makro an. Zwei Stunden nahm ich mir Zeit um die Kleinen und Kleinsten unseres Planeten zu digitalisieren.

Die Makrotour

Zwischen 0800h und 0900h wird mir das Licht Licht schon zu hart – daher der knappe Zeitraum. Man braucht ja hier nicht weit zu laufen. Ein Stück aus dem Ort raus fängt schon das Geplänte an und man muss nicht lange suchen, um das eine oder andere Zielmotiv vor die Linse zu bekommen. Diesmal hatte ich sogar mein Stativ mit, allerdings ohne Fernauslöser – der ist mir irgendwo noch in Deutschland abhanden gekommen.

die Wanze

die Wanze

Das erste Motiv, welches ich auf einem grünen Zweigchen fand, war eine Wanze. Sehr schön finde ich die Zeichnung des Tierchens auf dem Rückenschild. Im Hintergrund befand sich eine Mauer aus Natursteinen, die gerade ebenfalls von der frühen Sonne angeleuchtet wurde. Daher die bräunliche Farbe.

die Libelle

die Libelle

Die Libelle (leider kenne ich die Art mal wieder nicht) musste für ein Portrait herhalten. Ganz vorsichtig näherte ich mich dem Tier und hatte Glück. Sie fühlte sich wohl nicht von mir gestört und flog nicht davon. Gut zu erkennen sind die Augen, die dem Tier offensichtlich eine Rundumsicht ermöglichen.

Nebenbei sei hier bemerkt, dass ich mit dem 100er L-Makro von Canon unterwegs gewesen bin. Ich habe alle Fotos manuell belichtet und den Fokus ebenfalls per Hand gesetzt. Sehr hilfreich ist hier die Lupenfunktion mit der 10x Vergrösserung des Liveview meiner 70D. Den Klappbildschirm möchte ich ebenfalls nicht mehr missen. Das Ding hilft bei den verschiedensten Perspektiven ungemein vorhandene Rückenleiden zu kompensieren oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen.

die Blumen

die Blumen

Die wunderbar zarten Blümchen habe ich allerdings per Autofokus und durch den Sucher geknipst. Im Hintergrund erkennt man das Sonnenlicht, welches durch die Blätter eines Baumes gefiltert wird – daher die hellen Unschärfekreise. Eine leichte Überbelichtung half, das satte Grün der Blätter im Vordergrund in softes hellgrün zu verwandeln.

der Mauergecko

der Mauergecko

Mauergeckos findet man auf Sardinien an jeder Hauswand – zumindest Nachts. Sie stellen dort im Schein der Laternen den Insekten nach, die sich in das Licht verirren. Viel schwieriger ist es, sie tagsüber zwischen den Natursteinen einer Mauer zu finden. Heute morgen hatte ich das Glück. Im Augenwinkel sah ich einen in eine Mauerspalte huschen. Ich kenne die Kollegen jedoch. Nach kurzer Zeit kommen sie wieder aus der Spalte und tanken Sonne und Wärme – jedenfalls wenn man sich nicht bewegt.

Und ich kann mich gut nicht bewegen. Nach vielleicht 2-3 Minuten kam er wieder zum Vorschein und ich konnte ein paar Auslösungen machen. Von den 10 Fotos habe ich nun dieses genommen, weil es gut zeigt, wie und wo diese Reptilien leben.

Volles Programm – die Wanderung zur Nuraghe Binzas

Ganz in der Nähe unseres Ortes gibt es zahlreiche Nuraghen. Zu unserem Standard-Programm gehört die Nuraghe Binzas. Eher eines der eingefalleneren Exemplare von denen es hier auf der Insel um die 6000-7000 Stück gibt.

Die Nuraghe ist fußläufig in 15 Minuten zu erreichen und immer wieder ein Spaß für die Kinder – gibt es doch auf dem Weg dorthin viel zu entdecken.

Nuraghe Binzas bei Padria

Nuraghe Binzas bei Padria

Hier und da kreuzen Ameisenstraßen den Weg, Schmetterlinge flattern umher, Tunnelspinnen haben ihre Trichternetze im Gebüsch gebaut und lauern auf Essen und dann die Geräuschkulisse. Grillen schnarren und zirpen wie irre, heizen sich gegenseitig an. Es wirkt schon fast unheimlich wenn sie für einen kurzen Moment Ruhe geben nur um dann, nach ein paar Sekunden, um so lautstarker weiter zu machen.

Nuraghe Binzas, der Eingang

Nuraghe Binzas, der Eingang

Die Nuraghe selber ist, wie schon beschrieben, relativ eingefallen. Zwar kann man durch den Eingang noch hinein und es führt auch sowas wie eine Steintreppe nach oben, aber wirklich sehenswert ist das nicht. Mich würde mal interessieren, wie die alten Sarden die Dinger vor ca. 3000 Jahren gebaut haben. Die unteren Felsen der Grundmauern sind riesig. Und welchen Sinn hatten die Nuraghen? Die Wissenschaft ist sich da uneins. Einige vertreten die Meinung es seien religiöse Kultstätten gewesen, andere wiederum glauben eher an Verteidigungsanlagen, also Festungen. Interessant ist wohl, dass die Klötze auf der Insel so verteilt sind, dass man immer von einer zur anderen schauen kann. Ich werde es wohl nie erfahren.

Nuraghen Bewohner, Fledermaus

Nuraghen Bewohner, Fledermaus

Im Innern der Nuraghe Binzas fand ich an der Decke hängend ein kleines Fledermäuslein, welches ich mit dem 16-35 Weitwinkelzoom fotografiert habe. Und ja, ich habe einen Blitz genutzt. Ich weiß nicht, ob das dem Tier schadet, glaube es aber nicht. Es hing nach dem Foto noch immer von der Decke und rührte sich nicht.

St’Andrea Priu – eine uralte Kirche in einer Höhle

Früh Nachmittags fuhren wir zu einer der ältesten Kirchen Italiens. Eine Höhlenkirche. Nicht verlesen – ich schrieb nicht Höllenkirche. Eine Kirche in einer Höhle? Ja! Und das kam so: Vor ca. 5000 Jahren dachten die Leute hier noch, dass man nach dem Ableben irgendwo weiterleben würde, also hauten sie mit Stein Höhlen in den Stein um sich dort, unter Zugabe von allerhand Grabbeigaben, zur ewigen Ruhe betten zu lassen.

St'Andrea Priu, rechter Teil der Anlage

St’Andrea Priu, rechter Teil der Anlage

Die Begräbnishöhlen von St’Andrea Priu gehören zu den größten Sardiniens. Im Laufe der Zeit wurde innen ein recht großes System von Räumen und Kammern angelegt.

St'Andrea Priu, die kleinere der Höhlen

St’Andrea Priu, die kleinere der Höhlen

Damit sich die Verstorbenen wie zu Hause fühlten, wurden die Höhlen von innen so gestaltet, wie zu der Zeit deren Hütten von innen ausgesehen haben. Zahlreiche in den Stein gehauene Verzierungen geben Zeugnis dieser aus heutiger Sicht kuriosen Ansicht.

St'Andrea Priu, Deckengestaltung - den Hütten nachempfunden

St’Andrea Priu, Deckengestaltung – den Hütten nachempfunden

Ein paar tausend Jahre später (was spielt hier Zeit schon für eine Rolle?) tauchten dann die Römer auf. Die wiederum fanden die Höhlen ganz schick und nutzten sie als Versammlungsräumlichkeiten und Ort für ihre kultischen Rituale. Um den römischen Schick einfliessen zu lassen bemalten sie die Wände mit ihren typischen Graffiti. Jüngste Ausgrabungen, die zum Zeitpunkt unseres Besuches noch im Gange waren, zeigen, dass die Römer hier sehr aktiv gewesen sein müssen. Zahlreiche Fundstücke aus der Zeit werden derzeit noch untersucht.

St'Andrea Priu, römische Malereien

St’Andrea Priu, römische Malereien

Leider durfte ich im Inneren der Höhle nicht mit Blitz fotografieren, also ISO auf 1250 und 1/25s mit dem 16-35er aus der Hand. Das ging so gerade noch gut.

Nach den Römern traten dann die Christen auf den Plan. Die machten aus den Höhlen dann eine der ältesten Kirchen Italiens. Die heidnischen römischen Graffiti mussten einem einfachen Putz weichen, der kurzerhand über die römischen Malereien aufgetragen wurde. Im hinteren Raum der Höhle wurde ein Altar aufgebaut und fortan konnte man in den Räumlichkeiten seinem Gott huldigen.

St'Andrea Priu, mehr Malereien

St’Andrea Priu, mehr Malereien

Wir waren zum Zeitpunkt des Besuchs die einzigen Touristen vor Ort und so nahm sich die sehr nette Touristen-Führungs-Dame viel Zeit um unsere Fragen zu beantworten. Für italienische Verhältnisse in einem sehr gut verständlichen Englisch. Der Eintrittspreis war indes recht happig. Für 2 Erwachsene und 2 Kinder berappte ich 16,00 €. Ok, wenn das Geld denn in die richtigen Kanäle fliesst, dann ist es ok.

Der Besuch der Höhlen ist alles in allem sehr empfehlenswert. Fahrt von der SS131 in Richtung Bonorva, dann weiter Richtung Rebeccu (ein alter, ausgestorbener Ort), die Höhlen sind ab Bonorva sehr gut ausgeschildert und nicht zu verfehlen.

Santu Antine

Nach dem Besuch der Höhlen fuhren wir, um ein gutes Stück Kultur im Kopf reicher, ins Tal der Nuraghen. Die Nuraghe Santu Antine ist eine beeindruckende Festung. Ein Hauptturm, der noch zur Hälfte steht und drei kleinere Nebentürme umringt von einer Burgmauer aus Steinen so groß wie Kleinwagen machen Eindruck.

Santu Antine

Santu Antine

Das Bollwerk ist frei begehbar, jedoch muss man auch hier Eintritt bezahlen. Der Besuch hat mich 20,00 € gekostet. Offensichtlich steigen die Preise mit der Größe der Bauwerke. Immerhin wurde mir ein elektronischer Reiseführer ausgehändigt, der, wenn man die entsprechende Nummer eingab, auf verschiedenen Sprachen Details zu der Nuraghe verriet.

Santu Antine, Festungsmauer

Santu Antine, Festungsmauer

Zu der Nuraghe selber möchte ich hier gar nicht viel schreiben. Wen Details interessieren, der schaue sich bitte diesen wiki-link an.

Santu Antine, Aufgang im Inneren

Santu Antine, Aufgang im Inneren

Ich glaube gerade selber nicht, wie viel Programm man alleine hier in der Umgebung in einen Tag stecken kann. Ich fasse mal kurz zusammen: Morgens früh – Makrotour, Vormittags – Nuraghe Binzas, Nachmittags – St’Andrea Priu, Abends – Nuraghe Santu Antine, Nachts – Essen gehen.

Was meine Schreiberei für diesen Blog betrifft, ja, das wird auch noch nebenbei erledigt. Ebenso wie die Bildauswertung und -bearbeitung. Ich brauche nach dem Urlaub auf jeden Fall Urlaub vom Urlaub. Nein, im Ernst, es hört sich alles recht stressig an, so kommt es mir aber nicht vor. Ich bin nach wie vor ziemlich entspannt und schätze, dass das auch so bleibt.

poddi