Würger

Sardinien 07/2015 – 04

Ich und Technik. Hatte ich mir für heute morgen den Smartfon-Wecker auf 0500h gestellt und dabei mal wieder außer acht gelassen, dass die Weckzeit nur Wochentags gültig ist. Heute ist Samstag.

Zum Glück funktioniert meine innere Uhr ganz vorzüglich. Um 0600h wurde ich von alleine wach. Kaffee? Keine Zeit. Mit reichlich Knös in den Augen fuhr ich los. Ziel: Mein Eisvogel-Hotspot. Ja, genau. Ich wollte es ja noch mal wissen. Kann doch echt nicht sein, dass „er“ dort nicht mehr auftaucht.

Der Steinkauz

Bei meiner letzten Fahrt dorthin sah ich eine kleine Eule auf einem Steinhaufen neben dem Weg sitzen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich meine Kamera noch im Kofferraum im Rucksack. Als ich anhielt und ausstieg flog die Eule sofort davon. Leicht frustig fuhr ich weiter. Dieses mal war ich jedoch schlauer und hatte die Kamera auf meinem Schoß liegen, das 300er war montiert, der Stabilisator scharf.

Ich kam an dem Steinhaufen an und… Keine Eule zu sehen. Jedenfalls nicht auf Anhieb. Meine noch müden Augen suchten den ganzen Steinhaufen ab und dann… Da, da sitzt sie doch. Ich erkannte ihre Umrisse. Vorsichtig hob ich die Kamera vom Schoß hoch und steckte sie durch das Fenster. Sie blieb sitzen. Distanz ca. 20 Meter. Die Sonne versteckte sich noch hinter den Bergen, trotzdem hatte ich eine leichte Gegenlicht-Situation. Ich musste die Szene überbelichten. Bei ISO 1250 kam ich so auf gerade mal 1/50 Sekunde – und das aus der Hand.

Eule auf Steinhaufen

Steinkauz auf Steinhaufen

Immerhin konnte ich das Objektiv auf dem Fensterrahmen ablegen, trotzdem schwanke ich recht stark. Ein Hoch auf den Stabilisator. Zwar sind die Fotos ein wenig verrauscht und die Distanz war recht hoch – dennoch konnte ich einen guten Ausschnitt wählen. Leider ist im Hintergrund eine Stange von einem Zaun zu sehen. Wie das eben so ist: Irgendwas ist immer.

Jetzt müsste ich nur noch wissen um welche Eulen-Art es sich handelt. Aber da wird mir Norbert sicherlich wieder helfen können. (Norbert hat mir in der Zwischenzeit verraten, dass es sich um einen Steinkauz handelt)

Der Hotspot

Nachdem ich ein paar Fotos von der Eule geknipst hatte, fuhr ich weiter Richtung Eisvogel-Hotspot. Dort angekommen kletterte ich hinab zum Ufer und baute mein Zeug auf. Gegen 0645h war ich „Schussbereit“. Bis 0930h hielt ich durch. Kein Eisvogel. Nicht nur dass ich keinen fotografieren konnte, nein, es kam noch nicht mal einer vorbeigeflogen. Was ist da los? Mist! Ich habe einfach keine Zeit mir noch in diesem Urlaub eine neue Stelle zu suchen. Ich werde es einfach noch mal an der Stelle probieren. Anderer Tag, mehr Glück? Vielleicht mal Abends? Da steht dann aber die Sonne mies. Nun ja, ich werde sehen.

Teichhuhn

Teichhuhn

In den fast drei Stunden, die ich auf Martin Pescatore wartete, ist natürlich allerhand anderes geschehen. Mehrere Teichhühner konnte ich fotografieren, ebenso wie die dort zahlreich vorkommenden Prachtlibellen.

Prachtlibelle

Prachtlibelle

Prachtlibellen zu beobachten ist schon faszinierend. Die haben, genau wie der Eisvogel, ihr speziellen Ansitzäste (eher Zweige) von denen sie auf Beutefang starten und genau dort wieder landen, um z.B. die gefangene Mücke zu verspeisen. Unglaublich in welcher Frequenz sie starten und mit einer Erfolgsquote von bestimmt 90% wieder laden. Alleine an der Stelle an der ich saß müssen pro Tag bestimmt 2kg Mücken ihr Leben lassen. Man stelle sich vor es gäbe keine Libellen…

Auf der Rückfahrt hatte ich dann nochmal das Glück eine Eule (auch ein Steinkauz) fotografieren zu können. Dieses Exemplar saß auf dem Dach einer Scheune. Ich glaube nicht, dass es die gleiche ist, die ich auf der Hinfahrt fotografieren konnte. Zwischen den beiden Stellen liegen ca. 7 km. Hier war dann auch das Licht besser. Die Eule wurde direkt von der frühen Sonne beleuchtet. Die Distanz, naja, wie ich schon oft geschrieben habe: Man kann nicht immer alles haben.

da geht's lang

da geht’s lang

Noch ein Stück weiter gab’s dann noch einen Würger (vermute ich) für meine Optik. Leider auf einer Stromleitung sitzend. Ich mag solche Fotos ja eigentlich nicht. Drei Bestandteile machen dieses Foto aus: Vogel, Himmel und Stromkabel. Über das Habitat in dem der Vogel lebt erfährt der Betrachter nichts. Ich zeig’s aber trotzdem. Stellt euch einfach eine tolle Landschaft drumherum vor 🙂

Würger

Würger

Was habe ich nun für rund drei Stunden Fotografie vorzuweisen? Ein paar Eulen, Libellen, Teichhühner und einen Würger. Zwar alles keine tollen Fotos in bestem Licht und irrwitziger Schärfe, aber immerhin 1A Naturdokumente. Es war also, wie immer, keine Zeitverschwendung. Und das zählt!

poddi