nicht schnell genug - er haut ab

Sardinien 07/2015 – 03

Pläne im Urlaub zu machen sollte man sich von der Backe putzen! Mein Plan, traditionsgemäß die Nuraghe Binzas (eigentlich heißt es „den“ Nuraghe, das schmeckt mir aber nicht) zu besuchen, ist kurzerhand verworfen worden. Zugunsten einer viel besseren Alternative.

Ich hatte mir vor dem Urlaub über Google Earth die nähere Umgebung von Padria angeschaut und dabei etwas entdeckt. Miniera  S’Aghentalzu – ein paar alte, sehr alte, Höhlen ganz in der Nähe des Ortes. Ich zeichnete mir einen Track und übertrug den auf mein GPS-Gerät. Ich erklärte den neuen Plan kurz der Familie, sie waren einverstanden und kurz vor Mittag ging es los. Also doch wieder ein Plan.

Das Ziel war mit dem Auto in 10 Minuten erreicht. Allerdings erwartete uns noch ein längerer Fußmarsch zu den Höhlen. Das alles auf schmalen Schafspfaden am Rande eines Tals. Es ging teilweise über 50 m in die Tiefe. Gutes Training für meine Höhenangst. Die Kinder schlugen sich auch wacker – trotz der schon über 30°C Außentemperatur. Zum Glück ging ein leckerer Wind, der die Wanderung erträglich machte.

die Höhlen - noch weit weg

die Höhlen – noch weit weg

Kameramäßig war ich nur mit dem 100er Makro bewaffnet. Für die Landschaft und das Tal wäre natürlich das 16-35er Weitwinkel-Zoom deutlich besser gewesen, aber so weit habe ich mal wieder nicht gedacht.

Ziel erreicht

Ziel erreicht

Auffällig waren die über uns hängenden Felsen, die fast ausschließlich nur aus Fossilien bestanden. Muscheln, Krebse, Knochen – fast alles war dabei. Ist schon faszinierend wenn man sich vorstellt, dass das demnach vor fantastilliarden Jahren alles unter Wasser gestanden haben muss. Wir sind dort also auf dem Grund des Mittelmeeres gewandert.

Nach einer guten Stunde kamen wir an den Höhlen an. Es war genau wie ich es mir vorgestellt hatte. Vor Jahrhunderten wurden die Höhlen von Menschen genutzt – man kann noch deutliche Spuren der Felsbearbeitung erkennen.

Wände voll mit Fossilien

Wände voll mit Fossilien

Sogar sowas wie eine kleine Tropfsteinhöhle konnten wir bestaunen. Ich finde diese kleinen Stalagmiten (oder sind es Stalaktiten?) ziemlich faszinierend. Sehr filigran und zerbrechlich wirken sie. Und das Beste: Augenscheinlich von Menschenhand völlig unangetastet. Ich hoffe mal, dass das auch so bleibt.

tropf, tropf, tropf

tropf, tropf, tropf

Überall auf dem Boden liegen Fossilien verstreut herum – man braucht sich nur zu bücken, hebt einen Stein auf und findet ein versteinertes Tier darin oder darauf. Doch Achtung! Mitnehmen ist streng verboten. An den Flughäfen wird das streng kontrolliert und hart geahndet! Richtig so!

Wir blieben eine gute Stunde vor Ort und gingen dann wieder zum Auto zurück – Alghero wollte ja auch noch besucht werden.

Alghero – die schöne Stadt im Westen

Ja, Alghero gehört auch jedes Jahr zum Pflichtprogramm – mindestens drei mal pro Urlaub. Hier kann man schön durch die Altstadt schlendern und ganz wunderbares Eis essen. Ich hatte lästigerweise meine Kamera mit dem Weitwinkel ausgerüstet und schleppte den Klotz die ganze Zeit mit herum.

Alghero, Altstadt

Alghero, Altstadt

Fassaden- und Architekturfotografie ist einfach nicht mein Ding. Ich habe da kein Auge für. Stattdessen musste mal wieder das Capo Caccia im Gegenlicht herhalten. Ich glaube ich habe diese Szene schon 100 mal fotografiert. Sei’s drum. Besser als die Kamera überhaupt nicht benutzt zu haben.

die Badehose

die Badehose

Leider bekam meine Kleine während der Stadttour plötzlich Fieber und wir beschlossen es für den Tag sein zu lassen. Abfahrt nach Hause – also nach Padria.

weit weg, Capo Caccia

weit weg, Capo Caccia

Tschüss Alghero, bis nächste Woche. Ich hatte den Kindern versprochen noch auf die Kirmes zu gehen.

Alcedo atthis, Martin Pescatore oder einfach nur Eisvogel

Heute morgen bin ich tatsächlich freiwillig (allerdings mit Hilfe des Weckers) um 0500h aufgestanden und habe mich gegen 0600h auf zu meinem Eisvogel-Hotspot gemacht. Es kann doch einfach nicht sein, dass ich dort weder im Mai noch bisher auch nur eine Sichtung hatte. Immerhin habe ich an der Stelle in den letzten drei Jahren meine besten Eisvogel-Fotos schießen können.

Feuerlibelle

Feuerlibelle

Als ich dort ankam war es zwar schon leidlich hell, aber die Sonne schielte noch nicht weit genug über die Berge in meinem Rücken. Der Ansitzast strahlte noch nicht im besten Licht. Drei Stunden saß ich dort, mein Hintern tat ob des Sitzsteins weh und für was? Nur für die frische und noch kühle Luft! Es scheint, als verändere sich mein Hotspot zu einem waschechten Coldspot. Eine Chance gebe ich der Stelle aber noch.

Raupe, die wo orange Hörner ausfahren kann

Raupe, die wo orange Hörner ausfahren kann (wird mal ein Schwalbenschwanz)

Immerhin habe ich mit dem 300er ein paar „Makros“ machen können. Eine hübsche Raupe auf einem Aniszweig habe ich entdeckt und geknipst. Da sie sich null bewegte und ich feststellen wollte ob sie überhaupt noch lebt habe ich sie mit meinem Finger berührt. Sofort kam Bewegung in das Tier. An ihrem Kopfende kamen zwei orangene Fühler zum Vorschein und sie nahm eine recht bedrohliche Haltung ein (Inzwischen habe ich erfahren, dass es sich um die Raupe des Schwalbenschwanzes handelt. Vielen Dank bo-ju!). Habe ich auch noch nie gesehen. Wer die Raupe kennt möge mir das bitte mitteilen. Bloß schnell weg von dem Tier, nachher frisst die mich noch. Auf dem Weg zurück zum Auto konnte ich noch eine Feuerlibelle ablichten.

welcher Vogel?

welcher Vogel?

Auf der Rückfahrt gesellte sich zu Raupe und Libelle noch ein am Wegesrand sitzendes Vöglein auf meiner Speicherkarte dazu. Aus dem Auto heraus kann man eigentlich ganz gut Fotos machen. Die Tiere in der Umgebung kennen Autos und sehen dem recht gelassen entgegen. Jedenfalls solange man nicht stoppt. Tut man das, hat man nicht viel Zeit zu fokussieren und abzuschiessen. Recht schnell flüchtet die örtliche Fauna dann.

nicht schnell genug - er haut ab

nicht schnell genug – er haut ab

Kann es übrigens sein, dass es sich bei dem Vogel (ich meine nicht den über diesem Text) um eine Lerche handelt? Ich kenne bei uns in Deutschland leider nur die „Standard-Vögel“. Auch hier gilt: Wer was weiß bitte melden.

poddi

PS: Bei dem Greifvogel im Bild oben, könnte es sich um einen jungen Habicht handeln – ich muss das aber noch durch einen Fachmann begutachten lassen.

PPS: Leider ist die Bestimmung auch für Fachleute nicht ganz einfach, wenn die Fotos gewisse Merkmale nicht klar aufzeigen. Der Greifvogel könnte tatsächlich ein junger Bussard sein. Es könnte aber auch ein Turmfalke sein. Bei der „Lerche“ könnte es sich auch um ein junges Schwarzkehlchen handeln. Man, das ist aber auch kompliziert. Danke dir, Norbert Wolf!