Libelle auf Finger, Handyfoto

Raus in die Natur: Sardinien, zweiter Bericht. Martin Pescatore gesichtet.

Wer hätte das gedacht? Ich habe tatsächlich bereits mehrere Eisvögel gesichtet, aber, so viel sei schon hier verraten, noch keinen davon fotografieren können. Wie ich bereits hier geschrieben hatte, war die Suche nach geeigneten Bachläufen bis dahin nicht von Erfolg gekrönt. Aber ich gebe ja nicht auf und habe tatsächlich zwei Stellen gefunden, die leidlich begehbar sind und auch von den weiteren Rahmenbedingungen her passen.

Die erste von mir aufgesuchte Stelle konnte ich von einer Brücke aus beobachten, morgens um 06:00 Uhr. Der Bach war unterhalb der Brücke nur als verzweigtes Rinnsal erkennbar. Weiter den Bach hinauf konnte ich allerdings einen Tümpel erkennen, der ausnahmsweise nicht mit Wasserpest zugedeckt war. Ich stand bereits ca. 45 Minuten auf der Brücke und dachte noch, dass der Tümpel ein gutes Kleinfischvorkommen haben müsste, als unter mir der typische Pfiff zu hören war. Der Eisvogel flog genau auf den Tümpel zu und verschwand in einem Baum. Jawoll, ich hatte mich nicht geirrt. Also auf zum Auto und das Fotogeraffel geholt. Am Ende der Brücke gab es einen Zugang zum Ufer. Das Problem war allerdings der Stacheldrahtzaun, der die weidenden Kühe vorm Ausbüchsen abhalten sollte. Bevor ich mich durch den Zaun quetschte schaute ich mir noch die Kühe genauer an – auf einen Bullen hatte ich keine Lust. Es war kein Bulle zu sehen. Also ab durch den Zaun. Leider blieb ich mit dem Oberarm hängen. Scheiss auf die kleine Wunde – ich muss zum Eisvogel.

Tümpel, von der Brücke aus zu sehen

Tümpel, von der Brücke aus zu sehen

Auf der Weide vor dem Tümpel standen bestimmt 30 Kühe, die mich alle anschauten wie einen Kühe eben so anschauen. Treudoof und völlig gelassen. Mir war’s recht. Am Tümpel angekommen setzte ich mich auf einen Fels, baute mein Fotojedönse auf und wartete und wartete und wartete… Leider vergebens, was den Eisvogel anging – er lies sich nicht mehr blicken. Dies gab mir allerdings Zeit, die in Massen anwesenden Prachtlibellen zu beobachten. Sie setzten sich in das Licht der Sonne, die gerade über einem Baum aufging, um sich aufzuwärmen und Energie für die Jagd zu gewinnen. Und wie sie dann gejagt haben. Sie fingen sich im Flug die ebenfalls zahlreich anwesenden Mücken. Dabei fiel mir auf, dass die Libellen immer wieder die gleichen Ansitz-Pflanzenstengel anflogen. Ich stieg von meinem Felsen runter, ging zu einem Ansitzstengel, streckte den Zeigefinger aus und prompt landete eine Libelle auf meinem Finger.

Libelle auf Finger, Handyfoto

Libelle auf Finger, Handyfoto

Ich entschloss mich dann mit dem 300mm die Libellen zu fotografieren – sozusagen als Ersatz für den Eisvogel, der sich an der Stelle für den Rest meiner Anwesenheit nicht mehr blicken lies. Gegen 09:30 Uhr packte ich dann meinen Krempel zusammen. Ich hatte versprochen um 10:00 Uhr wieder zu Hause zu sein und frische Brötchen von Giovanni mitzubringen. Gerade als ich mich zwischen den Kühen befand, hörte ich wieder den Pfiff vom Tümpel herüberschallen. Ich habe mich nicht geärgert, ich komme wieder.

Prachtlibelle

Prachtlibelle

poddi

PS: Martin Pescatore ist übrigens die italienische Bezeichnung für den Eisvogel. Ich hatte mich mit ein paar Einheimischen unterhalten und das erfahren.