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Raus in die Natur: Sardinien, erster Bericht

Denn erstens kommt es anders und zweitens…

Kinderbetreuung ist ein 24,5 Stunden Job. Eigentlich wollte ich die örtliche Flora erkunden. Es gibt hier ein sehr verzweigtes System von kleineren Flüssen und Bächen. Diese wollte ich morgens zusammen mit meiner 3 Jahre alten Tochter erkunden. Ja, ich bilde mir ein, dass es hier auch Eisvögel gibt. Aber der Reihe nach.

Morgens bedeutet nach dem Aufstehen. Nach dem Aufstehen bedeutet ab 10:00 Uhr kann man frühestens los, denn da gibt es noch eine Menge zu erledigen, bevor man startklar ist: Warten bis die Kleine wach ist. Waschen. Zusammen zum Bäcker gehen, was für die 500m durchaus eine halbe Stunde und mehr in Anspruch nehmen kann. Italiener und insbesondere Sarden sind dermaßen jeck auf Kinder, das glaubst du nicht. Die Kleine hat schon ganz blaue Backen, weil jeder mal reinkneifen möchte: Che bella pupa und so. Auf dem Weg zum Bäcker trifft man allerhand Leute, die man schon ein Jahr nicht mehr gesehen hat. Alle wollen wissen, wie es einem so geht und was die Kleine macht. Wenn man dann wieder zu Hause ist wird gefrühstückt. Mit viel Glück kann man sich dann gegen 10:00 Uhr ins Auto setzen und die Stellen anschauen, von denen man glaubt, dass sie vielversprechend sind. Bei dann schon 30°C.

Erst ein mal konnte ich meinen Plan der morgendlichen Erkundung der Gegend in die Tat umsetzen. Wir, die Kleine und ich, sind ca. 20km aus dem Ort raus gefahren und haben drei Stellen besucht, die ich schon seit meiner Jugend kenne. Die erste Stelle ist von einer Brücke aus einsehbar. Es ist ein kleiner Nebenarm des einzig schiffbaren Flusses auf Sardinien, dem Temo. Der Flußabschnitt den ich mir anschauen wollte, war allerdings komplett von Grünzeug bedeckt – denkbar schlechte Bedingungen zum Jagen nach Fisch für einen Eisvogel. Außerdem war das Ufer nirgendwo begehbar ohne sich mit einer Machete den Weg freizubahnen. Also weiter zur nächsten Stelle.

Die nächste Stelle hätte erfordert, dass wir für ca. einen Kilometer durch sardische Steppe wandern müssen. Ist klar, was meine Kleine davon gehalten hat. Papa, heb mich hoch, es pieckst. Papa, ich hab einen Stein im Schuh. Papa, ich hab Durst. Papa, ich will nach Hause. Und so weiter. Ich habe nach 100 Metern aufgegeben und bin zur dritten Stelle gefahren. Wir waren zu dem Zeitpunkt schon etwas mehr als eine Stunde unterwegs und es hatte bereits 35°C. Dort angekommen machte sich sofort Ernüchterung breit. Zwar konnte ich aus der Distanz sehen, dass das Wasser klar war, aber auch hier war ein Betreten des Ufers nahezu unmöglich. Disteln und anderes garstiges Gestrüpp machten eine Wanderung für mich im Beisein meiner Kleinen unmöglich. Gibt es eigentlich noch irgendwo Agent Orange zu kaufen? Also Abbruch und wieder zurück nach Hause. Der Nachmittag war nicht mehr weit und die Fahrt zum Strand stand an. Ist ja auch schön.

Was ich noch erwähnen sollte ist Opas toller Fiat Punto mit dem ich mich über die Insel bewege. Dessen Turbolader nur sporadisch seinen Dienst verrichtet, der nur noch drei von fünf funktionierenden Gurtschlössern hat und dessen Nadel für die Geschwindigkeitsanzeige utopische 220 km/h anzeigt – egal ob der Wagen steht oder fährt. Aber hey, dafür dass hier der Diesel im Schnitt 1,70€ kostet fährt die Fuhre ansonsten ganz manierlich. Man muss einfach selbst zum Sarden werden: Kommste heut‘ nicht, kommste vielleicht morgen auch nicht. Und was den Eisvogel angeht, da bleib ich am Ball.

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