Aha, ein Männchen. Keine orange Schnabelunterseite.

Raus in die Natur: Mal wieder Eisvogel

Anfang des Jahres bekam ich einen Tipp zu einem Eisvogelrevier an einem Altarm ganz in meiner Nähe. Man bat mich jedoch darum, bis zur Mitte des Jahres zu warten, falls ich vorhaben sollte diese Stelle aufzusuchen. Das habe ich natürlich befolgt. Die Bitte hatte einen ganz einfachen Grund. Die Stelle ist von einem stark frequentierten Fahrrad- / Wanderweg aus gut zu sehen. Sitzt nun ein Fotograf am Ufer dieses Altarms, eingehüllt in ein Tarnnetz, zieht das ganz klar das Interesse der Menschen auf sich. Und wie stark das Interesse der Leute an dem Vogel ist, durfte ich schon ein paar mal selbst erfahren. In einem Fall hat es leider dazu geführt, dass ein übereifriger Fotograf Knipser sich direkt vor einer Bruthöhle positionierte und damit die Brut ruinierte. Der Eisvogel fühlte sich über die Dauer der Anwesenheit des Fotografen Knipsers derart gestört, dass er seine Brut aufgab.

Jetzt, im Juli, ist die Stelle nicht mehr einsehbar. Meterhohe Brennesseln und andere hochragende Gewächse verhindern erfolgreich, dass die Stelle vom Weg aus einsehbar ist. Allerdings führt das auch dazu, dass man sich selbst einen Weg durch das brennende und Juckreiz verursachende Zeugs bahnen muss – und das über ca. einen Kilometer. Da wird man freiwillig zum Zeckenmagnet. Trotz der derzeit warmen Temperaturen war ich mit einer langen Hose und einem langärmligen Hemd bekleidet. Dies war angesichts des gemeinen Bewuchses unbedingt nötig. Zur Verteidigung gegen die Brennesseln nutzte ich mein Stativ, welches ich als Schutzschild vor mich hielt. Trotzdem geschah es mehrmals, dass die langen Stengel zurückschlugen und mich an den Händen und im Gesicht trafen. Kann man gegen Brennesselgift auf Dauer immun werden?

Eisvogel von Angesicht zu Angesicht

Eisvogel von Angesicht zu Angesicht

Am Ufer angekommen suchte ich mir eine Stelle aus, von der ich sicher sein konnte, dass sich dort keine Bruthöhle befand. Beide Seiten des Altarms waren stark bewachsen und steile Abbruchstücke waren auch nicht zu sehen. Ein alter, stark verästelter Baum lag im Wasser und bot dem Eisvogel somit einen guten Ansitz für die Jagd nach Beute. Jedenfalls war das meine Vermutung. Meinen klapprigen Dreibeinhocker habe ich mittlerweile durch einen sehr bequemen Angelstuhl ersetzt (ähnlich diesem). Das Stativ habe ich vor den Stuhl gestellt und den Fotoapparat, logisch, oben drauf befestigt. Zuletzt habe ich noch das Tarnnetz über mich gestülpt und dann gewartet. Und gewartet. Und gewartet. Und gewartet.

Annähernd zwei Stunden tat sich überhaupt nichts. In der Zeit des Wartens durfte ich wieder mal feststellen, wie dämlich es ist, unter dem Tarnnetz zu rauchen (Eventuell ist es auch ohne Tarnnetz dämlich zu rauchen). Ich stieß mit der Zigarette, während ich selbige im Mund hielt, gegen das Netz. Die Glut fiel herab und landete prompt zwischen meinen Oberschenkeln auf dem Stuhl. Da war Hektik angesagt. Und was passiert in einem solchen Moment? Der Eisvogel kam und landete in vielleicht 5 Metern Distanz auf dem Ast, auf den ich mein Objektiv gerichtet hatte. Wenn man nun, um sich und seinen Stuhl vor Verbrennungen zu schützen, wild umherfuchtelt, dann ist das selbst für den hartgesottensten Eisvogel eine Nummer zuviel. Er flog sofort weiter. Wenn das kein guter Grund ist, mit dem Rauchen aufzuhören?!

Ich hatte ausgefuchtelt. Die Glut war erfolgreich gelöscht und ich konnte mich wieder dem Eisvogel widmen. Immerhin, so redete ich mir ein, hat mich mein Gespür nicht getäuscht. Er (der Eisvogel) war hier und fand den Baum auch ganz toll. Vielleicht kommt er ja noch einmal.

Aha, ein Männchen. Keine orange Schnabelunterseite.

Aha, ein Männchen. Keine orange Schnabelunterseite.

Und das tat er auch. Diesmal, nur ca. 30 Minuten später, landete er in einem Gestrüpp am gegenüberliegenden Ufer. Ich musste mein Objektiv schwenken, um ihn ins Visier nehmen zu können. Die Tarnung und meine extreme Vorsicht zeigten Wirkung. Er blieb sitzen. Er hatte einen kleinen Fisch im Schnabel, den er mit kräftigen Hieben auf den Ast schlug. Anschliessend drehte er den Fisch im Schnabel, so dass der Fisch mit dem Kopf voraus aus dem Schnabel ragte. Ein sicheres Zeichen dafür, dass der Fisch zum Füttern gedacht war. Nach etwa einer Minute Aufenthalt flog der Eisvogel wieder fort. Leider habe ich verpasst, in welche Richtung er flog. Egal. Immerhin konnte ich ein paar Fotos machen. Allerdings mal wieder aus viel zu großer Distanz und durch ein Dickicht aus Zweigen hindurch.

Bis demnächst, lieber Eisvogel-Mann,
poddi