Eisvogel viel zu weit weg. Ausschnitt mit mieser Qualität.

Raus in die Natur: Ausgetrickst

Drei Stunden hatte ich Zeit. Drei Stunden um den Eisvogel an der Lenne auf die SD-Karte zu bannen. Ich nehme es vorweg: Er war wieder mal schlauer als ich.

Ich hatte gerade alles fertig aufgebaut und setzte mich auf meinen klapprigen Dreibeinhocker, als von links der erste Eisvogel anflog. Kurzer Pfiff und er flog eine Schleife um den Baum herum, von dem ich noch immer der Meinung bin, dass er einen ganz hervorragenden Landeplatz zum Ansitzen bietet. Nachdem der Eisvogel den Baum passiert hatte und ausser Sichtweite meines Objektivs war, bog er wieder ab, um weiter im Tiefstflug über die Lenne zu fliegen. Jeder Tornado-Pilot wäre hochgradig von Neid erfüllt, würde seine Maschine einen derart perfekten Konturflug beherrschen.

Es dauerte nicht lange, da kam er zurück. Diesmal von rechts. Und? Jawoll! Landung im Baum. Leider nicht auf dem Ast, den ich für landenswert hielt. Stattdessen mitten im recht dichten Blattwerk. Nur das Köpfchen schillerte aus dem blättrigen Grün hervor. OK, dachte ich, das gibt auch ein gutes Foto. „Blau aus Grün“ sollte der Titel werden. Nur leider zeigte mein Objektiv in eine ganz andere Richtung. Also Luft anhalten und gaaanz vorsichtig die linke Hand ans Objektiv und die rechte an den Auslöser. Atmen. Das ging gut. Der Eisvogel schaute zwar zu mir rüber, blieb aber sitzen. Jetzt noch das Rohr in Richtung Eisvogel drehen. Verdammt. Der Kugelkopf ist noch eingespannt. Langsam, sehr langsam bewegte ich meine linke Hand in Richtung der Feststellschraube. Pfiff, weg war er. Hmpft. Ok, der kommt bestimmt gleich zurück, dachte ich.

Falsch gedacht. Annähernd zwei Stunden tat sich überhaupt nichts. Kein Eisvogel, keine Bachstelze, kein Falter lies sich blicken. Dies gab mir allerdings Zeit darüber nachzudenken, ob ich meinen klapprigen Dreibeinhocker nicht durch etwas komfortableres ersetzen sollte. Mein Hintern meldete sich nämlich. Ein Gesäßmuskel, der über Stunden mit dieser Konstruktion malträtiert wird, kapituliert irgendwann und fordert seinen Besitzer zum Aufstehen auf. Ich kam dem Wunsch gerne nach, denn auch mein Rücken brauchte mal eine Streckung. Pfiff. Direkt hinter mir, in vielleicht 5m Distanz, saß der Eisvogel in einem Baum an einem kleinen Tümpel, den die Lenne beim letzten Hochwasser stehen gelassen hatte.

Klasse, dachte ich, der saß bestimmt schon recht lange da und beobachtete, was der komische Typ am Ufer der Lenne dort machte. Ausgetrickst. Mal wieder. Ich bin dir aber nicht böse. Immerhin hast Du mir recht gegeben: Du findest den Baum am gegenüberliegenden Ufer genau so gut wie ich. Und ein Distanzfoto hast du mir ja auch gegönnt, als du zwischendurch, ganz weit weg, in einem anderen Baum gelandet bist.

Eisvogel viel zu weit weg. Ausschnitt mit mieser Qualität.

Eisvogel viel zu weit weg. Ausschnitt mit mieser Qualität.

Tja, so ging der Fotovormittag dann zu Ende. Mit der Erkenntnis, dass ich wohl noch viel Zeit brauche um zu meinem Foto zu kommen. Trotz allem möchte ich die Zeit am Ufer der Bäche, Flüsse und Ströme nicht missen. Man hat dann so viel Zeit über die wichtigen Dinge nachzudenken. Zum Beispiel ob wie viele Zecken bereits wieder am Bein hochkrabbeln oder warum gerade heute die Sonne mal wieder nicht scheint.

poddi