Fliege

Makrobewegung

Gestern ist was komisches passiert. Im Laufe des frühen Morgens kam es über mich. Etwas, das ich schon lange nicht mehr hatte.

Es überkam mich ein lange nicht mehr gespürter Drang nach Bewegung. Ich hatte Bock auf Radfahren. Ne, ehrlich! Ich könnte ja mal mit dem Rad zum Angelteich fahren. Das sind 12 km einfach. Und dann? Ja, dann bleibe ich dort ne Stunde und fahre wieder zurück. Nun, wenn ich schon am Angelteich bin, dann kann ich dort auch ein paar Krabbler ablichten.

Makros ohne Stativ

Die 70D mit dem 100er Makro passt so gerade in meinen kleinen Fahrradrucksack. Und das Stativ? 24 km das Stativ auf dem Rad transportieren – nein, das ist mir zu blöd. Mache ich die Fotos eben ohne das schwere Dreibein. Aus der Hand mit garantiert großem Ausschuss. Egal. Es geht ja vordergründig um die Bewegung. Die Be-we-gung.

MTB

MTB

Die 12 km fuhr ich in einer knappen halben Stunde. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24 km/h. Ja, kann man auch schneller fahren. Aber auf dem Bergfahrrad mit seinen breiten Pellen und fast nur über Feldwege… Für mich ok.

kaum Wind

Erstaunlicherweise war am Angelteich kaum Wind. Dann und wann gab es ein paar leichte Bewegungen der Luft, aber nichts was die Grashalme großartig in Wallung versetzt hätte. Also los: Ein schattiges Plätzchen gesucht, den Stabi am Objektiv scharf gestellt, ISO auf 250, Blende auf sechs komma irgendwas und festgestellt, dass ich bei Belichtungszeiten zwischen 1/125 und 1/30 lande. Verdammt lang für so ohne Stativ. Egal. Machen!

Springspinne

Springspinne

Ich setzte mich am Wasser vor einen kleinen Strauch der direkt am Ufer wuchs und beobachtete was sich dort tat. Recht schnell entdeckte ich eine kleine Springspinne welche gerade mit dem Verspeisen einer Fliege beschäftigt war. Klasse, dann sind sie in der Regel recht ruhig. Ich glaube es ist eine Zebraspringspinne. Von den 40 Fotos die ich von dem Tier schoss sind genau zwei dort scharf geworden wo ich es mir erhofft hatte – auf den Augen.

Ich träume ja noch immer von einem Foto einer Springspinne, wo sich der Fotograf in den Augen spiegelt. Springspinnen haben nämlich riesige Augen und davon gleich acht stück – fast verteilt um den ganzen Kopf. Ist das nicht genial? Möchte zu gerne wissen, wie sich das anfühlt, wenn man quasi einen 360°-Blick hat.

Libelle

Libelle

Als nächstes habe ich eine Libelle aufs Korn genommen. Der traurige Hintergrund ist der Wasseroberfläche geschuldet. Leider spiegelte sich der Himmel aus der Perspektive nicht auf dem Wasser. Die genaue Art kann ich mal wieder nicht bestimmen. Wird wohl eine Jungfer sein?

Streckerspinne

Streckerspinne

Makros ohne Stativ mit recht langen Verschlusszeiten sind nicht ohne, wie ich weiter oben bereits erwähnte. Den Schärfebereich von vielleicht einem halben Millimeter exakt auf das Auge des Tiers zu legen ist eine Kunst und oft auch eher reines Glück. Außerdem habe ich bei der Spiegelreflexkamera beim Blick durch den Sucher nicht die Möglichkeit das Motiv zu vergrößern.

Atmung und das natürliche Stativ

Ich brauche also Anhaltspunkte wo denn nun meine Schärfe sitzt. Das sind zum einen die Augen und zum anderen die Haare. Bei den meisten Krabblern und Kriechern befinden sich in der Nähe der Augen Härchen – wie bei der Streckerspinne oben. Wenn die im Sucher scharf erscheinen, dann bin ich richtig. Jedoch passiert es dann beim Auslösen, dass ich mich einen Hauch vor oder zurück bewege. Ich vermeide das indem ich im Schneidersitz hockend beide Ellbogen auf den Oberschenkeln abstütze. So kann ich mich in mich selbst verkeilen und habe mehr Stabilität.

Jetzt noch auf die Atmung achten! Ich atme ruhig und gleichmäßig. Beim Ausatmen drücke ich dann ab. Nicht einmal, nicht zweimal… Vier, fünf oder mehr Fotos mache ich per Reihenaufnahme (Reihenaufnahme ist eingestellt? Ok, dann einfach die Taste gedrückt halten). Bei einem Foto der Reihe sitzt dann meist der Fokus. In der Regel ist es das Zweite der Reihe. Warum das so ist? Keine Ahnung! Ich habe aufgehört darüber nachzudenken.

Fliege

Fliege

Das Foto der Fliege war ebenfalls das Zweite aus einer Serie von 8 Fotos die ich in Reihe schoss. Nur dieses eine war dort scharf wo ich es scharf haben wollte. Im unteren Bereich des Fotos befindet sich im Hintergrund zum Motiv die Wasseroberfläche und im oberen Bereich das gegenüberliegende Ufer des Sees. Ich mag diese weichen Farbverläufe und die Tierchen werden schön freigestellt vom Hintergrund dargestellt.

Wenn man die Möglichkeit hat, dann sollte man sich schon vorab Gedanken zur Gestaltung des Fotos machen. In dem Fall habe ich mich vor ein paar Gräser gesetzt die am Ufer wuchsen. Zum Zeitpunkt meines Niederlassens an der Stelle waren dort keine Viecher zu sehen. Dann ist Geduld gefragt. Verhält man sich ruhig und hat die Kamera bereits im Anschlag, dann dauert es meist nicht lange und die Kollegen erscheinen auf ihrer Bühne.

genau gucken

Was man nicht sieht kann trotzdem da sein. Nur weil ich im ersten Augenblick keine Tiere sehe, bedeutet das nicht, dass nicht trotzdem welche da sind. Mit der Zeit und mit der Ruhe sieht man mehr. Glaubt mir! Lasst euch drauf ein.

Fliege

Fliege

Ich will nicht wissen wie lange die Fliege schon auf den Stengel saß und sich fragte, was der Typ im Schneidersitz hockend da wohl vorhat. Irgendwann sah ich sie, drehte mich langsam zu ihr, schwenkte die Kamera langsam zu ihr herunter, fokussierte und schoss. Leider hatte ich so nur die blöde Wasseroberfläche als Hintergrund. Hier hätte ich mich hinlegen müssen um zu einem interessanteren Hintergrund zu kommen. Ich befürchte allerdings, dass damit die Geduld der Fliege ein abruptes Ende genommen hätte und das Foto dann nur noch aus dem Stengel bestanden hätte.

Man kann eben nicht alles haben.

poddi