Entenmama mit wie vielen Jungen?

Hunde können schwimmen

Ein Naturerlebnis der ganz besonderen Art wurde mir gestern beschert. Ich wollte kurz prüfen ob in dem Naturschutzgebiet mit der Kanadagans, ihr wisst schon, der Eisvogel mittlerweile das Füttern seiner Jungen begonnen hat.

Ich traf dort gegen 17:00 Uhr ein, parkte mein Auto und ging die restlichen 2 Kilometer zu Fuß. Ich nahm nur die Kamera mit. Kein Stativ, kein Stuhl, kein Netz – nichts weiter. Zunächst beobachtete ich den Teich ein paar Minuten vom Weg aus. Es tat sich jedoch nichts auffälliges.

Ich ging dann an die Stelle des Ufers, wo ich vor kurzem eine sehr nahe Eisvogel-Begegnung hatte und platzierte mich hinter einem Strauch. Nach vielleicht 10 Minuten kam der Eisvogel und landete ausserhalb meines Sichtfelds in einem Gebüsch am Ufer. Prima, dachte ich, er war also noch da. Ob er einen Fisch im Schnabel hatte konnte ich jedoch nicht erkennen.

Ich wollte mir noch eine halbe Stunde Zeit nehmen, da ich beobachtet hatte, dass der Eisvogel im Schnitt alle 30 Minuten über das Gewässer flog. Ich hatte also Zeit mich um das weitere Geschehen am See zu kümmern. Die Kanadagans tat, was sie immer tat, wenn ich vor Ort war: Sie schwamm über das Wasser und kümmerte sich nicht um das Geschehen um sie herum. Eine Entenmama führte ihren frischen Nachwuchs aus.

Entenmama mit wie vielen Jungen?

Entenmama mit wie vielen Jungen?

Irgendwann hörte ich dann Stimmen. Jemand unterhielt sich. Kurze Zeit danach tauchten drei Hunde auf. Einer von denen kam direkt zu mir und beschnupperte mich. Als er die Kanadagans auf dem Teich entdeckte war sein Interesse an mir erloschen und er fixierte die Gans. Die Gans wiederum bemerkte den Hund ebenfalls und zeigte ein Verhalten, welches ich so noch nicht gesehen hatte. Sie legte den Kopf flach auf das Wasser.

Kanadagans. Defensives Verhalten? Angst?

Kanadagans. Defensives Verhalten? Angst?

Ich vermute es ist ein defensives Verhalten aus Angst. Sich klein machen. Nicht gesehen werden. Eine Drohgebärde würde wohl anders aussehen.

Der Hund kläffte los, kam aber nicht zu der Gans ins Wasser, weil sich vor ihm dorniges Gestrüpp befand. Mit dem Bellen des Hundes tauchten dann auch die beiden anderen Hunde neben mir auf – zusammen mit den beiden Besitzern. Ein Jägerpärchen, Mann und Frau, beide behängt mit Gewehren mit Zielfernrohr. Er trug etwas einläufiges, Sie trug eine doppelläufige Schrotflinte.

Ich bat darum die Hunde anzuleinen, bekam aber zur Antwort, dass das nicht nötig sei, da die Hunde perfekt abgerichtet seien und auf’s Wort hören würden. Offensichtlich stimmte das auch, denn als die beiden weiter gingen folgten ihnen die drei Hunde nach Zuruf. Das klappte aber nur ein paar Sekunden. Als die fünf aus meinem Sichtfeld verschwunden waren, hörte ich ein Platschen. Kurz darauf ein wildes Geschrei der Jäger. Der Hund sprang ins Wasser und hielt auf die Gans zu. Die Jäger hatten die Situation nicht mehr unter Kontrolle.

gehetzte Gans, Teil 1

gehetzte Gans, Teil 1

All das Geschrei und Gepfeife der Jäger half nichts. Der Hund erlag seinem Jagdtrieb und verfolgte die Gans. Die wiederum konnte sich der Situation nur durch schwimmen entziehen, da sie bereits zu dicht am Ufer war um zum Flug starten zu können.

gehetzte Gans, Teil 2

gehetzte Gans, Teil 2

Ich verlies meinen Standort um besser sehen und um ggf. Fotos zu Beweiszwecken schiessen zu können. Die Jäger brüllten und pfiffen unterdessen weiter nach ihrem Hund. Als ich wieder auf den Weg kam hatten sie ihren Hund unter Kontrolle gebracht – er war aus dem Wasser raus.

Die Gans schwamm noch immer aufgeregt und krächzend über den Teich, hatte aber wohl Glück gehabt – der Hund hatte sie nicht erwischt. Ich stellte die Jäger zur Rede, doch alles was ich zur Antwort bekam war, dass dies eben Jagdhunde seien und so was immer mal wieder vorkam. Mir blieb die Spucke weg. Auf meine erneute Bitte die Hunde anzuleinen bekam ich zu hören, dass doch alles gut ausgegangen sei.

ohne Worte

ohne Worte

Was soll ich nun noch weiter schreiben? Ich habe mit Jägern grundsätzlich kein Problem! Nach dem deutschen Jagdrecht ist ein Jäger eine Person, die durch nachhaltiges Bejagen und waidgerechtes Töten von Wild zum Erhalt eines artenreichen und gesunden Wildbestandes beiträgt.

Die beiden jedoch tragen mit ihrem ignoranten Verhalten meiner Meinung nach in keiner Weise dazu bei, einen artenreichen und gesunden Wildbestand zu erhalten.

poddi