Glaskugel

Drei Stunden an der Lenne

Samstagmorgen, 08:00 Uhr, der Himmel ist offen, die Sonne taucht langsam hinter den Bergen auf. Zeit ins Auto zu steigen um zur Lenne zu fahren. Mal sehen ob schon Insekten am Start sind und – klar – Eisvögel beobachten.

Es ist kurz nach Acht als ich an der Lenne ankomme. Schnell noch in die Stiefel, es wird wohl noch sehr tauig sein. Das 300er an der Kamera muss dem 100er Makro weichen. Ich bin ja wegen der Insekten und anderen Krabbler hier. Fotos vom Eisvogel erhoffe ich mir nicht. Dementsprechend bin ich auch gekleidet: Helle Jacke, blaue Jeans, keine Tarnung – viel zu auffällig für die blauen Diamanten. Kofferraumklappe zu und losmarschiert.

Nach 5 Minuten habe ich die erste Stelle erreicht. Schon aus der Distanz höre ich aufgeregtes Gefiepe. Zwei Eisvögel fühlen sich durch meine Anwesenheit gestört und machen sich aus dem Staub. Ein weiterer hebt von der anderen Uferseite ab.

Eisvogel aus der Distanz

Eisvogel aus der Distanz

Das habe ich nun nicht erwartet. Etwas angefixt schmeisse ich den Rucksack auf den Boden und wechsle vom Makro wieder auf das 300er Tele. Die Eisvögel sind mit Brautschau beschäftigt und haben deswegen vielleicht nicht unbedingt ein Auge für auffällig gekleidete Fotografen am Ufer – so mein recht dümmlicher Gedanke.

Halbe Stunde

Gute 30 Minuten verstecke ich mich ziemlich gut sichtbar hinter einem Strauch. Wieder das typische Eisvogel-Gefiepe. In ca. 30 m Distanz landet einer auf der anderen Uferseite. Hat einen Fisch im Schnabel. Ich schieße vielleicht 10 Fotos, da haut er wieder ab. Hätte ich mal besser mein Tarnnetz mitgenommen, denke ich. So gibt das nichts. Aber schön, dass sie noch hier sind. Ein Stück Stromauf hat man die Lenne nämlich gestaut – ich hatte schon befürchtet dass durch diese Aktion die Bruthöhlen überschwemmt wären. Sind sie aber zum Glück nicht, jedenfalls nicht hier. Die anderen Höhlen schaue ich mir in 2 Wochen an.

Ich beschließe ein Stück weiter stromauf zu gehen. Mal sehen wie es am Klärwerk-Einlauf aussieht. Dort gibt es immer einen Haufen kleine Fische, weil dort das einfliessende Wasser wärmer ist als das der Lenne. Die Eisvögel wissen das. Eigentlich wollte ich ja Insekten fotografieren…

Biber

Biber, äh Bisam

Stattdessen kommt mir ein Biber, äh Bisam daher. Die habe ich an der Lenne bisher auch noch nicht gesehen, bzw. fotografiert (Habe ich doch, also den Bisam). Ist schon faszinierend wie geschickt der oder die gegen die Strömung geschwommen ist. Leider waren mir nur ein paar Fotos vergönnt und die auch noch einen Hauch unscharf. (siehe hierzu den Kommentar weiter unten)

Doch das Makro

Nun reicht’s aber! Weg mit dem 300er und wieder das Makro vor den Apparat geschraubt. Ich schaue die Wiese vor mir genau an. Beobachte hier ein paar Minuten, dort, ein paar Zentimeter daneben, auch ein paar Minuten. Nichts. Kein Krabbler ist unterwegs. Ist es noch zu kalt?

Tau, tau, tau

Tau, tau, tau

Was mir jedoch auffällt sind abertausende von Tautropfen, die es sich an den Spitzen der Grashalme bequem gemacht haben. Das muss doch auch recht nett aussehen, denke ich mir. Leichtes Gegenlicht sollte für witzige Leuchtflecken im Hintergrund sorgen. Und siehe da, es funktioniert.

Glaskugel

Glaskugel

Früher waren solche Fotos unter Naturfotografen verpönt. So sieht ja kein Mensch die Natur. Hin und wieder ist es gut, dass sich die Zeiten und auch die Geschmäcker ändern. Ich habe genug von dem ganzen Geglitzer und beschliesse auf der angrenzenden Wiese nach Insekten zu suchen. Leider werde ich aber auch hier bis auf eine Fliege nicht fündig.

Lichthartefliege

Lichthartefliege

Noch dazu hat sich die Gute ins volle Sonnenlicht gesetzt. Insgesamt wirkt das Foto vom Licht her extrem hart. Noch eine gute Stunde schlendere ich über die Wiese in der Hoffnung doch noch ein sechs- oder mehrbeiniges Motiv zu finden. Vergebens. Ob ich noch mal nach den Eisvögeln schaue?

Besser wieder das Tele

Also wieder das 300er drauf und zurück an die erste Stelle. Ich stelle mich wieder hinter den Busch, der mich zu 1% abdeckt – im Sauerland ist es noch zu früh für Blätter. Es dauert nicht lange, da gibt es Aktivität. Allerdings nicht vom Eisvogel.

Gänsesäger

Gänsesäger

Ein Wasservogel mit Tina Turner Frisur? Was ist das denn? Ein Gänsesäger wie sich später mittels einer Recherche via Google herausstellen sollte. Meine Suchbegriffe waren tatsächlich: „Wasservogel“ & „Frisur“. Irgendwann tauchte dann ein Foto von dem Vogel auf und ich hatte was zum anfassen. Der Erpel ist der mit dem dunkelgrünen Kopf. Für die von euch, die nur einen schwarzweiß Monitor haben: Es ist der rechte der beiden.

Die Bestände der Gänsesäger haben sich zwar erholt, sie stehen aber immer noch auf der roten Liste. Es sind Fischfresser und von daher Nahrungskonkurrenten der Menschen. Also: Abknallen! In Deutschland gibt es wohl ca. 600 Brutpaare, die meisten davon in Bayern, meint wikipedia. Man, habe ich ein Glück!

Nach insgesamt ca. 3 Stunden vor Ort fängt es an zu regnen. Ich packe ein und haue ab.

Fazit: Ich habe nicht ein Foto gemacht, welches ich mir an die Wand hängen würde, aber dafür wieder wunderbare Erlebnisse in der Natur gehabt. Folgende Tiere habe ich beobachten können: Eisvögel, Biber, Blindschleiche (leider nur ganz kurz gesehen und nicht fotografiert), Meisen, Enten, Specht, Bisamratte, Fliege, Wassertropfen auf Grashalmen.

poddi

Der Biber, der ein Bisam ist.

Was habe ich da nur verbrochen. Ehrlich, mir ist’s schon etwas peinlich! Skeptisch mir selbst und meinen Recherchen gegenüber war ich ja von Anfang an – trotzdem habe ich einen Bisam zum Biber gemacht. Dumme Sache! Zukünftig beschränke ich mich bei der Bestimmung von Tieren auf Hunde und Katzen. Schäferhund und Perser kann ich bestimmt unterscheiden.