EF 300mm f/4,0L IS USM

Canon EF 300mm f/4,0L IS USM

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich zu dem Rohr überhaupt etwas schreiben soll. Schließlich wird das Gerät bereits seit etlichen Jahren produziert und verkauft sich sehr erfolgreich. Wenn man also etwas zu dem Teil erfahren möchte, das über mein vollkommen subjektiv verfasstes Gesülze hinausgeht: Google ist wie immer bestens informiert. Ich schmeisse hier trotzdem meine Ansichten über das Teil ins Netz.

Gekauft habe ich es zum Ablichten der heimischen Vogelfauna. Zusammen mit einem Eins-Sechser-Cropfaktor komme ich so auf ausreichende 480mm-Quasi-Brennweite. OK, formatfüllendes Fotografieren kleiner Singvögel geht fast nur bei Distanzen von unter 5 Metern, aber man kann sich ja durchaus auch mit einem Ausschnitt begnügen. Ausreichend Pixel für ein A4-Foto stehen meist trotzdem zur Verfügung. Außerdem kann man sich mit Tarnung und guten Kenntnissen über das Verhalten der Motive den einen oder anderen Millimeter an Brennweite sparen.

Was die Verarbeitung angeht: Ja, das macht schon Laune. Direkt nach dem Auspacken fiel mein Blick auf das angeschraubte Typenschild mit seinem eingestanzten Hinweis auf technische Details und Herkunft des Rohrs. Dazu die Canon typische Ich-war-nicht-billig-Farbe weiß, die den Knipsern da draussen suggeriert: Da kommt einer, der es ernst meint – oder zumindest so tut. Noch ernster kommt es, wenn man die integrierte Gegenlichtblende ausschiebt und das Rohr somit dezent verlängert. Jetzt meint man es erst so richtig ernst. Jedenfalls so lange, bis jemand neben einem steht, der ein 300 f/2,8 vor seiner 5er montiert hat.

EF 300mm f/4,0L IS USM

EF 300mm f/4,0L IS USM

Leider hatte mein Exemplar einen ausgeprägten Frontfokus. Dies führte mich bereits ein paar Tage nach dem Kauf nach Willich zum Canon-Service. Einmal justieren bitte. Nach 6 Werktagen konnte ich mein Rohr das Objektiv wieder abholen. Der Autofokus trifft jetzt. Toll. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack: Muss ich nun nach einem Objektiv-Neukauf jedes mal nach Willich fahren?

Wenn man den Menschen im Cyberspace glauben schenkt, dann ist Schärfe das Qualitätskriterium für ein Objektiv. In dieser Hinsicht enttäuscht das Teil nicht. Bereits bei Offenblende werden die Motive knackscharf auf den Chip gestempelt. Weiter abblenden bringt, wenn ich meinen müden Augen noch trauen kann, nicht viel mehr Schärfe. Toll ist auch die Naheinstellgrenze von nur 150cm. Für ausreichend große Insekten, Libellen zum Beispiel, lasse ich das Makro immer häufiger im Rucksack – sofern ich nicht darauf aus bin, Facettenaugen formatfüllend zu knipsen.

Noch ein paar Worte zum Bildstabilisator. Dieser macht zwar Geräusche wie eine alte Kaffeemühle, erfüllt seine Aufgabe aber recht zufriedenstellend. Freihandaufnahmen gelingen meist ab 1/250s, darüber bedarf es schon einiger Übung. Für Schnappschüsse ist das Teil also nur bedingt geeignet, zumal der Stabi eine gute Sekunde benötigt um sich einzuschwingen.

Alles in allem ein für mich erstklassiger Kauf. Liebe Mädels und Jungs von Canon: Gerne teste ich für euch auch mal ein 600er – ihr müsst es mir nur über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellen.

poddi