Fliege, unbestimmt (Ich kenne echt gar nichts)

Canon EF 100mm f/2.8L Macro IS USM

Erwartet hier jetzt bloß keinen tief gehenden Testbericht über ein Objektiv welches schon seit Jahren auf dem Markt ist. Erwartet keine technischen Daten, die man überall im Cyberspace nachlesen kann. Erwartet kein Gejammer darüber, dass es ein L-Objektiv von Canon ist, welches kein Gehäuse bestehend aus einer außerirdischen Metalllegierung hat.

Erwartet am Besten nichts – außer ein wenig Geschreibsel eines Amateur-Naturfotografen, der auch nicht so genau weiß warum er sich dieses Teil gekauft hat.

Fliege, unbestimmt und ohne Stativ bei miesem Licht geknipst

Fliege, unbestimmt und ohne Stativ bei miesem Licht geknipst

Ja und was soll das nun? Du hast doch schon ein Makro-Objektiv. Warum also ein zweites? Canon selbst schreibt zu dem Teil:

Das EF 100 mm 1:2,8L IS USM gehört zur professionellen L-Serie von Canon und ist eines der ersten Objektive mit einem Bildstabilisator, der horizontale und vertikale Kamerabewegungen erkennt – ideal für Aufnahmen aus kurzer Entfernung.

Kuhl! Da steht „professionell“. Ich bin aufgestiegen. Alles was bei Canon in Bezug zu Objektiven ein „L“ in der Produktbezeichnung hat, besitzt irgendwo auf dem Tubus einen roten Ring und gilt als Teil der sogenannten professionellen L-Serie. Meist kann man damit der wissenden Welt zeigen, dass man es ernst meint. Schaut her und staunt: Ich gut.

Käfer, unbestimmt aber bestimmt ohne Stativ

Käfer, unbestimmt aber bestimmt ohne Stativ

Stimmt das so? Nö! Gebt Steffi Graf einen Besenstiel in die Hand und mir einen Kohlefaser-Tennisschläger mit auf meine Schlagkraft exakt abgestimmter Bespannung. Wer gewinnt jeden Satz?

Und wieder taucht die Frage auf: Was soll denn das nun? Hast Du nicht auch mit dem 60er Makro tolle Aufnahmen hinbekommen? Meine Antwort: Ja schon, aber… Nun ja, ähm, das 60er hat aber keinen roten Ring. Kein „L“. Und vor allem: keinen Bildstabilisator. Bildstabilisator? Was bringt der dir?

Azurjungfer, ohne Stativ bei miesem Licht

Azurjungfer mit Beute, ohne Stativ bei miesem Licht

Ich hatte gehofft, dass der Bildstabilisator – bei Canon nennen sie ihn „IS – Image Stabilizer“ – mir mehr Freiheit beim Fotografieren gibt. Oft genug habe ich bei der Makrofotografie folgendes erlebt: Da ein Käfer. Stativ aufbauen, positionieren, Display ausklappen, Lupenfunktion aktivieren, 10-fach Vergrößerung aktivieren, Blende und Zeit einstellen, manuell scharf stellen, Auslösen. Nanu? Wo ist der Käfer hin?

Noch ein Käfer ohne Namen

Noch ein Käfer ohne Namen

Der Stabilisator sollte es mir ermöglichen hier und da auch Fotos ohne das lästige Stativ schießen zu können. Nun war ich vorgestern am Teich um das endlich mal ausgiebig zu testen.

Das Ergebnis lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Dass das Konglomerat aus Kamera und Objektiv bei 0,3mm Schärfebereich nicht unbedingt weiß, dass ich gerne das Auge der 2mm kleinen Fliege scharf hätte und nicht den Hinterleib (Abdomen) ist mir klar. Trotzdem hatte ich gehofft, dass bei einer von zwanzig Aufnahmen aus der Hand die Schärfe da sitzt, wo ich es gerne gehabt hätte. In Summe waren dann von ca. 150 Aufnahmen 6 ganz gut. Da brauche ich wohl noch Übung.

Fliege, unbestimmt (Ich kenne echt gar nichts)

Fliege, unbestimmt (Ich kenne echt gar nichts)

Immerhin, so rede ich mir gerade ein, waren das Fotos zu denen ich mit meiner üblichen Methode – also mit Stativ – nicht gekommen wäre. Auf längere Distanzen zum Motiv, also nicht unbedingt an der Naheinstellgrenze des Objektivs, macht sich der Bildstabilisator nämlich bezahlt. Zum einen wächst der Schärfebereich – die Chance, das scharf zu haben, was man scharf haben möchte ist größer – zum anderen kann man auch bei 1/60s auf verwackelungsfreie Fotos hoffen.

Fliege, unbestimmt

Fliege, unbestimmt

Und nun? Hat es sich gelohnt? Das wird die Zeit zeigen – wie so oft. Mit der neuen Linsenhülle muss ich noch viel Erfahrung sammeln. Ok, das Wetter ist gut, ihr findet mich draußen. Bis bald.

poddi