1/1000s - f4,5 - ISO400 - 100mm - Distanz ca. 30,0m

Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS II USM (kleiner Praxistest)

Man, man, man. Jetzt habe ich das neue Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS II USM bereits seit gut 2 Wochen und konnte es bisher nicht benutzen. Jedenfalls bis letzten Sonntag nicht.

Ok, natürlich habe ich es direkt nach dem Kauf geprüft. Funktioniert der Autofokus, der Stabilisator, der Zoom, etc.? Und ja, ich habe ein paar Fotos vom Stativ geschossen. Allerdings bei extrem miesem Licht. Bei ISO 800 kam ich nicht unter 1/50s – denkbar schlechte Bedingungen für einen Test bei 400mm an der 7D Mk2. Nahezu alle Bilder waren verwackelt, da laufend Windböen das Stativ erfassten und somit zu Unschärfen führten.

Kaufgrund?

Warum habe ich mir das Ding eigentlich gekauft? Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen hat mich die Naheinstellgrenze gereizt. Ein knapper Meter über den kompletten Brennweitenbereich, das ist schon was. Bei meinem 300er sind es immerhin 1,5 Meter. Ich komme mit dem neuen also näher ran – für größere Insekten wie z.b. Schmetterlinge ist das nicht zu verachten. Zum anderen hat es einen Bildstabilisator der neuesten Generation. Fotos ohne Stativ sollten damit auch bei längeren Belichtungszeiten gelingen. Das 300er hat noch einen Stabilisator der ersten Generation. Canon sagt, dass mit dem Stabi des 300er 2 Stufen längere Belichtungszeiten aus der Hand geschossen werden können. Würde ich also 1/500s aus der Hand verwacklungsfrei schiessen können, so kann ich bei eingeschaltetem Stabi 1/125s verwacklungsfrei schiessen. Soweit die Theorie. In der Praxis hat das jedoch nicht immer funktioniert (das Alter, also meines). Beim neuen 100-400er würde ich aus der Hand nicht länger als 1/800s belichten. Mit aktiviertem Stabi sollten nun Fotos von 1/50s verwacklungsfrei möglich sein. Ich glaub’s noch nicht ganz. Es ist ja auch Übungssache.

Als drittes Kaufargument sei mal die Flexibilität eines Zooms genannt. Von 100mm bis 400mm hat man schon viel Gestaltungsspielraum. Das war ich bisher nicht gewohnt und ich bin gespannt wie ich es nutzen werde. Erfahrungsgemäß werde ich das Objektiv wohl meist bei 400mm einsetzen – aber eben nur „meist“. Mal sehen.

1/200s - f5,6 - ISO400 - 400mm - Distanz ca. 1,5m

1/200s – f5,6 – ISO400 – 400mm – Distanz ca. 1,5m

Letztes Wochenende hatte ich endlich mal 2 Stunden Zeit das 7D Mk2 – 100-400er Ehepaar mit an die Lenne im Sauerland zu nehmen. Es war früher Nachmittag und es gab sogar ein wenig Licht von der planetarischen Dauerheizung da oben am Himmel. Ja, ok, insgeheim hatte ich natürlich auf den einen oder anderen Eisvogel gehofft. Was nun Alcedo atthis betrifft, so sah ich zwar einen im Tiefflug an mir vorbei fliegen, aber fotografisch blieb mir der Erfolg verwehrt.

1/640s - f5,6 - ISO400 - 400mm - Distanz ca. 3,0m

1/640s – f5,6 – ISO400 – 400mm – Distanz ca. 3,0m

So musste dann die örtliche Flora als Testmotiv dienen – fliegt nicht tief und haut nicht ab. Ich schoss auf alle möglichen Äste und Bäume, immer mit offener Blende und ISO400, bei unterschiedlichen Motiventfernungen. Alles aus der Hand mit aktiviertem Bildstabilisator.

1/320s - f5,6 - ISO400 - 400mm - Distanz ca. 10,0m

1/320s – f5,6 – ISO400 – 400mm – Distanz ca. 10,0m

Die Fotos habe ich nur leicht bearbeitet, also nicht anders als sonst auch. Lichter etwas korrigiert, Tiefen leicht angehoben, dezente Schärfung. Die Belichtungszeiten lagen zwischen 1/200s und 1/1000s. Das sind jetzt keine Paradewerte um die Effektivität des Stabilisators zu testen, aber darum ging es mir ja auch nur am Rande. Praxistest eben. Von sterilen, nachvollziehbaren Labortests halte ich nichts. Merke: Wer Fehler und Probleme sucht, der findet sie auch.

1/1000s - f4,5 - ISO400 - 100mm - Distanz ca. 30,0m (die Bank)

1/1000s – f4,5 – ISO400 – 100mm – Distanz ca. 30,0m (die Bank)

Nun denn, auf den ersten Blick und für den ersten „richtigen“ Einsatz des neuen Rohrs muss ich sagen, dass die massive Investition eine gute war. Ich habe erstaunlich wenig Ausschuss gehabt. Hier und da gab’s mal ein paar Fotos bei denen der Fokus nicht richtig saß, aber das war dem Typ hinter der Kamera geschuldet.

Das Ding scheint gut zu sein und hat offensichtlich keine Autofokus-Justage in der Kamera oder gar beim Hersteller nötig. Der Bildstabilisator krallt sich am Motiv fest und ist ungemein hilfreich beim Fokussieren. Erster Test bestanden würde ich mal meinen. Wie es sich in der Zukunft bewährt, das wird sich zeigen. Ich werde von Zeit zu Zeit darüber schreiben.

Heute wird es sich übrigens im Duisburger Zoo beweisen müssen. Laut der Meinung der TV-Wetterfrösche wird es wohl ein bedeckter Tag werden – jahaa, blödes Licht, ich liebe es.

poddi