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alles Apple oder was?

Das Schreiben dieses Beitrags spukt mir schon lange im Kopf herum. Soll ich mich trauen oder nicht? Egal – jetzt mache ich es einfach. Apple spaltet – ganz klar.

Ich hole mal etwas aus. Meine Computer-Historie ist eine lange. Eingestiegen bin ich zur 8-bit-Zeit. Mein erster Computer war ein Texas Instruments TI99-4/A – ein furchtbar langsamer Rechner, auf dem ich meine ersten BASIC-Programmiererfahrungen sammeln konnte. Dann folgte ein Sinclair ZX Spectrum mit 48kB Speicher. Auf der kleinen Kiste mit Radiergummi-Tastatur konnte man schon kleine Spiele zocken und die integrierte Programmiersprache – auch wieder BASIC – verfügte über einen umfangreicheren Befehlsumfang, als die des Texas Instruments.

Zur Zeit des Spectrums war ich mit dem Gerät aber bereits ein Außenseiter. Der Commodore C64 war auf dem Markt und alle hatten ihn. Auf dem Schulhof wurden bereits kopierte Spiele auf den labberigen 5 1/4-Zoll Disketten getauscht, während ich meine Daten noch mit einem Kassettenrekorder sicherte und mir Spiele, mühsam zusammengespart, regulär kaufen musste.

die 16-bit Zeit

Die Zeiten sollten sich ändern. Die 16-bit-Ära brach an. Zwei Systeme dominierten den Markt: Der Commodore Amiga und der Atari ST. Ich entschied mich damals für den Atari ST – er war einen Tacken günstiger und hatte eine integrierte MIDI-Schnittstelle, die kam mir und meiner Liebe zum Musik machen sehr entgegen. Das war so um 1988, wenn mich nicht alles täuscht. Zu der Zeit fing es bereits an, die Spaltung der Computer-Freaks in zwei Lager: Amiga-Nutzer belächelten die schwachen grafischen Fähigkeiten der ST-Computer. ST-Nutzer bezeichneten die Geräte der Amiga-Nutzer als Spielekisten.

Während der ganzen Jahre gab es aber eine Firma, die immer wieder mit innovativen Computern von sich reden machte: Apple.

Zur 8-bit-Zeit kam Apple mit dem Apple II um die Ecke. Später dann machte der Macintosh von sich reden. Offensichtlich der erste Computer, den man mit einer Maus bedienen konnte – völlig revolutionär. Für mich und die meisten anderen Menschen auf der Welt allerdings unbezahlbar – aber geil.

Windows kommt

Irgendwann holten dann die PC’s auf und Windows drückte in den Markt. PC’s waren auf einmal keine Bürokisten mehr, sondern fanden sich mehr und mehr auch in Privathaushalten wieder. Ich verpasste diesen Umschwung, weil ich sehr auf meine Musik-Produktionsschiene festgenagelt war – da war der Atari ST immer noch State-of-the-Art.

Bei uns im Studio werkelte im Büro ein PC der die täglichen Office-Aufgaben zu bewerkstelligen hatte. Über diese hässliche beige-graue Kiste kam ich mit der Windows-Welt in Berührung und fand das gar nicht mal so übel. Windows 95 war auf dem Gerät installiert und damit konnte ich z.B. Spiele spielen, wie ich sie auf meinem ST nie erlebt hatte.

Umgehend stand bei mir auch ein PC – allerdings mit Windows 98. Ein paar Jahre später kam dann der zweite – dann mit Windows 2000. Der dritte PC brachte mir Windows XP als Betriebssystem. Von Apple wollte ich zu der Zeit nichts wissen, zu dominant war Windows, zu vielschichtig und extrem flexibel. Von Apple gab’s ja nur diese bunten iMacs mit ihrem komischen Betriebssystem, auf dem man nicht anständig arbeiten und – vor allem – spielen konnte. Apples Power PC’s standen erst gar nicht zur Debatte – viel zu teuer und auch die hatten dieses Mac-OS-Ding.

Die Flexibilität der Windows-PC’s war es jedoch, die mich mehr und mehr störte. Immer war irgendwas, mal hier ein Virus mal da ein neuer Treiber für irgendwas – ewig war ich am fummeln um mein System am Laufen zu halten. Ich empfand das als normal. Mit der Windows-Registry war ich auf Du. Ich hatte mich auch daran gewöhnt mir alle 2-3 Jahre einen neuen PC zu kaufen – die Technik schreitet halt mit schnellen Schritten voran. So stand ich dann mal wieder vor der Frage, welchen PC ich mir als nächstes kaufen sollte.

Einen PC kauft man sich ja nicht einfach so, man konfiguriert ihn sich. Ich fand mich also im Internet wieder und suchte ein paar Wochen lang nach der für mich besten Konfiguration. Ein elendiges Thema, auf das ich überhaupt keine Lust hatte. Ich empfand es als Zeitverschwendung, hatte besseres zu tun, als die für mich und meine Anforderungen beste Kombination von Prozessor, Speicher, Festplatte, Grafikkarte und was weiß ich zu finden.

iMac 27″

Ich gucke dann mal bei Apple vorbei und fand auf deren Website den iMac mit 27″ Display. Wow! Was für ein hübsches Gerät. Da hatte sich im Vergleich zu den bunten Bonbon-Kisten mächtig was getan. Der ganze Computer steckt in einem schicken Alu-Display? Kein Kabelsalat mehr? Der macht sich auch im Wohnzimmer gut, dachte ich. Aber halt! Da kann ich ja dann nichts mehr selbst konfigurieren oder mal die Grafikkarte durch eine aktuellere austauschen. Und? War es nicht genau das, was mich in letzter Zeit bei meinem PC’s so nervte?! Dieses ewige Gefummel um alles tiptop aufeinander abzustimmen?!

Sollte ich wirklich dieses Risiko eingehen und mich auf ein für mich völlig neues System einlassen? Sollte ich mich tatsächlich von dem tollen Design verführen lassen und eine andere Welt betreten?

Ich tat es

Ich schmiss alle Bedenken über Bord und bestellte den Rechner bei Amazon. Nach zwei Tagen des Wartens war er da. Was jetzt schreibetechnisch folgt wird alle bestätigen, die Apple-Nutzern einen Kult um die Marke unter die Nase reiben und selbige als Jünger bezeichnen. Mir ist’s egal. Ich schreibe es, wie ich es damals im Winter 2009 empfunden habe. Also, Apple-Nicht-Möger, bitte weglesen.

Schon das Auspacken war irgendwie toll. Alles war durchdacht. Alles machte Sinn und erschloss sich mir auf Anhieb. Keine seltsam konzipierten Kartonagen versperrten den Weg zum Gerät. Ohne Probleme befreite ich also den Kasten von seinem Transportschutz und stellte ihn auf meinen Schreibtisch. Maus und Tastatur gesellten sich dazu und nach dem Einstecken des Stromkabels war ich startbereit. Nur ein Kabel!

Ich drückte den Kraftknopf auf der Rückseite und es ging los. OSX begrüsste mich auf viele Sprachen und bat mich um Eingabe von ein paar Infos: Name, Netzwerkverbindung, Mail-Account, etc. Nach vielleicht 5 Minuten war ich auf dem Desktop und konnte loslegen. Das war’s. Alles funktionierte auf Anhieb. Ich surfte ein bisschen im Internet, rief ein paar Mails ab, stellte einige Dinge so ein, wie ich sie haben wollte und wurde dabei nicht ein mal durch ein Problem oder unerwartete Rückfragen aufgehalten. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Ärger irgendeine Funktion oder Einstellung zu finden – alles war da, wo ich es vermutet hatte. Seltsam.

Nun werkelt der iMac schon seit ca. 5 1/2 Jahren bei mir und es wird Zeit für ein Fazit. Ich nutze ihn in der Hauptsache für die Verwaltung und Bearbeitung meiner Fotos, für’s Internet, zum Musik machen und gespielt habe ich mit der Kiste auch schon so einiges. Noch nie ist irgendeine Anwendung hängen geblieben, noch nie musste ich einen Reset machen, noch nie hatte ich Probleme mit Viren (hoffe ich jedenfalls) – der Rechner ist einfach da und tut seine Arbeit. Und – ganz wichtig! – er sieht dabei noch gut aus.

Stop! Mir fällt gerade ein, dass ich doch ein Problem hatte. Als ich das Betriebssystem von Snow Leopard auf Mavericks aktualisierte (Neudeutsch: updatete) konnte ich meine Foto-Dateien im RAW-Format nur noch im Schnecken-Tempo mit Vorschau ansehen. Bis zu 10 Sekunden vergingen schon mal, bis ich von einem Foto zum nächsten wechseln konnte. Das Problem habe ich bis heute noch – allerdings nur mit dem zum Betriebssystem gehörenden Vorschau. Ich lud mir kurzerhand ein kostenloses anderes Bildbetrachtungsprogramm aus dem App-Store – mit dem läuft es wieder flüssig.

In Summe habe ich mich mittlerweile vom Computer-Kenner zum Computer-Nutzer entwickelt. Ich finde das für mich sehr begrüssenswert. Ich vermisse nichts und bin neutralisiert. Der Computer ist, wie bei vielen Menschen, teil meines Lebens und tut, was er tun soll. Er raubt mir keine Zeit mehr mit seltsamen Problemen, für deren Lösung ich mich stundenlang durch irgendwelche Foren wühlen muss. So soll’s sein.

alles Apple oder was?

Was den Titel dieses Beitrags betrifft, so kann ich dazu sagen: Nein! Ich habe kein Eifon, kein Eipott, kein Eipätt und auch sonst keine Eier (ups). Im Ernst. Obwohl die Apple-Welt wohl ganz toll aufeinander abgestimmt ist, sind mir gewisse Produkte des Herstellers einfach zu teuer und zu „eigenständig“ – man muss ja nicht jeden Scheiss mitmachen. Die Apple Watch z.B. käme mir selbst dann nicht ans Handgelenk, wenn sie die letzte „Uhr“ auf der Welt wäre. Ich finde sie hässlich und da ich kein Ei-Jedöns – außer 2 Ei-Computern – besitze, hätte ich wohl auch keinen Nutzen durch sie.

Was die Glaubenskriege der Menschen in Bezug zu Apple vs. andere Computer-Systeme angeht: Nur weiter so – mir ist’s egal. Genau wie bei folgenden Themen: Canon gegen Nikon, Mercedes gegen BMW, ST gegen Amiga, Vegetarier gegen Carnivore, Mann gegen Frau, Schalke gegen Borussia, etc.

Wollte ich mal loswerden.

poddi

PS: Ich schreibe dies gerade auf meinem eine Woche alten MacBook Pro Retina 13″. Apple, Yosemite habt ihr voll verkackt! Hierzu bald mehr von mir.