Zarte Blümchen

Abseits des Weges

Die Eisvögel sind aktiv. Brutzeit. Ansitzzeit für mich. In meinen letzten Beiträgen konntet ihr mich bei meinen Eisvogel-Aktivitäten begleiten. Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, dass ich nur und zu 100% auf diesen Vogel konzentriert bin. Doch dem ist nicht so.

Da gibt es noch ein wenig mehr. Sozusagen abseits des Weges.

Schnecke am Wegesrand (Art unbestimmt)

Schnecke am Wegesrand (Art unbestimmt)

Zum Beispiel diese Schnecke. Sie kroch am Wegesrand durch das Gras. Jetzt kann man ein Foto machen oder man macht sich vorher Gedanken. Mein Ziel bei diesem Foto war es, die Sicht der Schnecke für den Betrachter zu teilen. Ich legte also den Apparat auf den Boden und versuchte ein Foto aus der Perspektive der Schnecke zu schießen. Vor dem Objektiv befand sich Gras, welches durch die sehr geringe Tiefenschärfe komplett in grüne Unschärfensuppe aufgelöst wurde. Bei 300mm, Blende 5,0 und einem Abstand von 1,5 Metern beträgt die Tiefenschärfe nur wenige Millimeter. Man kann es an den Augen der Schnecke erkennen, sie sind scharf. Alles davor und dahinter verschwimmt.

Zarte Blümchen

Zarte Blümchen

Auch bei diesen, mir unbekannten Blümchen, habe ich die geringe Tiefenschärfe des 300mm ausgenutzt um den Hintergrund vollkommen aufzulösen. Die beiden Blüten im rechten Teil des Fotos liegen im Schärfebereich. Die Blüte im Hintergrund liegt nur ca. zwei Zentimeter dahinter. Dadurch wird das Auge des Betrachters auf das gelenkt, was dem Fotografen an dem Foto wichtig erscheint.

Kohlweissling

Kohlweissling

Beim Kohlweissling wollte ich eher Ton in Ton arbeiten. Das ist mir beim Original-Foto aber nicht so richtig gelungen. Manchmal entstehen Bild-Ideen erst bei der Sichtung der Fotos. Ich reduzierte die Farben, hob die Helligkeit des Fotos an und betonte dann die Dunkelanteile im Bild. Das gefiel mir dann schon besser. Aber irgendwas störte mich trotzdem. Ich experimentierte dann mit dem künstlichen Tilt-Shift Effekt. Das kennt ihr. Das sind diese Fotos die so aussehen, als hätte man eine Spielzeuglandschaft fotografiert.

Ich konnte mir bis jetzt nicht vorstellen, dass das auch bei Blümchen-Fotos nutzbar ist. Hier ist nun, glaube ich, ein verträumtes Naturdokument entstanden. Der Schmetterling fällt dem Betrachter erst beim zweiten Blick auf. Im ersten Moment schaut man auf die Blume, da sie recht dominant im rechten Bereich des Fotos platziert ist. Wenn dann die Augen etwas umher schweifen, entdecken sie den Falter in der Mitte des Bildes.

Distelfalter

Landkärtchen

Das Landkärtchen ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man mit Schärfe spielen kann. Wäre er alleine im Foto gewesen, ja, es wäre eines dieser Bilder geworden, die man in Biologiebüchern findet. Ich wollte aber mehr im Bild haben. Und zwar ohne dass der Falter seinen Zweck als Hauptmotiv im Foto verliert. Ich wählte also eine Perspektive, bei der der Pflanzenstengel im Hintergrund ebenfalls zu sehen sein sollte. Allerdings wollte ich nicht, dass er zu dominant werden würde. Hier kommt dann wieder die Unschärfe ins Spiel. Er ist zwar da, stört aber nicht. Das Auge liegt auf dem Schmetterling. Der Stengel im Hintergrund gibt ein wenig Pfiff ins Bild und zeigt dem Betrachter das Habitat.

Ihr seht: Es geschieht noch viel mehr, wenn ich unterwegs bin. Es gibt nicht nur Eisvögel für mich. Falls ihr die Fotos größer betrachten wollt, dann schaut sie euch im Fotobereich der Website an.

Viel Spaß und Danke für’s lesen!

poddi

Merkzettel für mich: Ich muss mal wieder das 60er Makro vor den Kasten schrauben und somit die Faulheit besiegen die Linsen zu wechseln. Wofür habe ich eigentlich eine Spiegelreflex?